Der Traum vom Ferienhaus
Südeuropa ist beliebt: Allerdings sollten Kaufinteressenten beachten, dass je nach Region strenge Vorgaben für den Kauf von Ferienimmobilien gelten. © Smarterpix
Der Wunsch nach einer eigenen Ferienimmobilie liegt im Trend. In vielen Urlaubsregionen in Deutschland bleibt die Nachfrage nach Kaufimmobilien anhaltend hoch. Die aktuelle Entwicklung zeigt eine „außergewöhnliche Resilienz des deutschen Ferienimmobilienmarkts gegenüber gesamtwirtschaftlichen Schwankungen“, erklärte Till-Fabian Zalewski, Chef D-A-CH bei Engel & Völkers, im April dieses Jahres. Doch nicht nur deutsche Ferienhäuser und -wohnungen erfreuen sich großer Beliebtheit, wie Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll Immobilien, betont: „Gerade der europäische Markt für Ferien- und Zweitwohnsitze gewinnt seit einigen Jahren deutlich an Attraktivität und zählt aktuell zu den dynamischsten Segmenten im internationalen Immobilienmarkt.“
■ Geänderte Kaufmotive
Bemerkenswert sei dabei, dass die Entwicklung nicht trotz, sondern gerade wegen der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten der vergangenen Jahre stattfinde. „Der Wunsch, neben dem Lebensmittelpunkt in Deutschland einen weiteren Standort innerhalb Europas zu besitzen, hat spürbar zugenommen“, so Ritter. „Eine Immobilie im europäischen Ausland wird deshalb immer häufiger nicht mehr nur als Ferienimmobilie betrachtet, sondern als Rückzugsort, zusätzlicher Lebensmittelpunkt oder langfristiger Plan B für die eigene Familie“, ergänzt der Poll-Chef. Die klassische Ferienimmobilie als Renditeobjekt rückt damit zunehmend in den Hintergrund. „Die meisten Käufer suchen heute vielmehr eine Immobilie, die sie selbst nutzen können und die gleichzeitig einen langfristigen Werterhalt bietet.“
■ Strengere Vorgaben
Dass Ferienimmobilien im Ausland seltener als reine Vermietungsobjekte gekauft werden, ist noch auf eine weitere Entwicklung zurückzuführen: Viele europäische Länder, darunter auch Spanien und Frankreich, verschärften zuletzt ihre Vorschriften für die Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen deutlich. „Teilweise werden neue Lizenzen nur noch eingeschränkt vergeben. Zusätzlich müssen steuerliche Verpflichtungen sowie lokale Vorgaben zur Vermietungsdauer und Nutzung berücksichtigt werden“, sagt Ritter. Laut einer Civey-Umfrage im Auftrag von MYNE Homes aus dem vergangenen Sommer schreckt fast ein Viertel der Befragten aufgrund rechtlicher Unsicherheiten vor dem Kauf einer Auslandsimmobilie zurück. Das dürfte zur hohen Beliebtheit deutscher Ferienimmobilien beitragen – auch wenn es hierzulande ebenfalls verstärkt Zweckentfremdungsverbote oder gesetzliche Begrenzungen von Zweitwohnsitzen gibt.
■ Experten gefragt
Zoran Vujović, der das Geschäftsfeld Kapitalanlagen beim Immobiliendienstleister Grossmann & Berger leitet, rät allen Interessenten für Auslandsimmobilien: „Setzen Sie sich zuerst mit den rechtlichen Voraussetzungen des jeweiligen Landes auseinander. Diese können ganz entscheidend von denen in Deutschland abweichen.“ Das betrifft nicht nur die Vermietung, sondern auch die Kaufabwicklung. Vujović empfiehlt, sich Experten an die Seite zu holen, die sich mit den Gegebenheiten des Landes auskennen. Neben einem ortsansässigen Makler ist oft auch eine Beratung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt und einen Steuerberater sinnvoll.
■ Finanzierung klären
Der Immobilienexperte rät außerdem, unbedingt vorab zu klären, ob die Wunschbank die Finanzierung der Ferienimmobilie überhaupt anbietet. Eine Absage erteilen Banken zum Beispiel, wenn die Immobilie außerhalb ihres Geltungsbereichs liegt, was auch bei Immobilien in Deutschland der Fall sein kann. „Ein weiterer Aspekt ist, dass die Finanzierungszinsen bei Ferienimmobilien häufig höher liegen als bei selbst genutzten Immobilien“, sagt Vujović. Zudem sollten Kaufinteressenten prüfen, ob das von ihnen ins Auge gefasste Objekt auch als Ferienhaus oder -wohnung genutzt werden darf. „Das hängt vom jeweiligen Baurecht für das Gebiet ab, in dem sich die Immobilie befindet, und sollte im Vorfeld über das zuständige Bauamt geklärt werden“, so der Fachmann.
■ Beliebte Länder
Trotz all dieser bremsenden Faktoren kaufen die Deutschen aber nach wie vor gerne Ferienimmobilien im europäischen Ausland. Aktuell besonders gefragt sind laut Marktbeobachtern Ferienimmobilien in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Österreich und der Schweiz. Daniel Ritter beobachtet gleichzeitig auch ein steigendes Interesse an Ungarn und Polen. Interessante Einstiegsmöglichkeiten mit einem vergleichsweise günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis sieht er derzeit in Griechenland, Ungarn und einigen Regionen Italiens und Spaniens.
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