Der Nato-Gipfel in Ankara hat ein potenzielles Sommerloch an den Märkten mehr als ausgefüllt. Allen guten Vorbereitungen zum Trotz nutzte US-Präsident Trump die große Bühne, um zu Beginn sämtliche Wunden im Bündnis und vor allem gegenüber den europäischen Partnern aufzureißen. Die verbal brüske Absage an das Rahmenabkommen und Gespräche mit dem Iran sowie die erneuten militärischen Angriffe erwischten die Märkte auf dem falschen Fuß: Der Rohölpreis legte aufgrund neuer Sorgen um den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus um drei Prozent zu, Inflationsskepsis ließ die Märkte höhere Leitzinsanhebungen einpreisen. Die Aktienmärkte reagierten nicht übermäßig, aber doch auch negativ auf die Risiken im Nahen Osten. Am Ende des Nato-Gipfels lag aus amerikanischer Sicht wieder Liebe in der Luft. Dennoch wurde deutlich, wie erratisch die geopolitische Weltlage ist und wohl bleibt. Immerhin überwanden die Marktteilnehmer ihre Schnappatmung bis zum Wochenausklang wieder.
Der deutsche Aktienindex Dax hatte vor dem Nato-Gipfel noch ein Rekordhoch nahe der 26.000 Punkte erreicht. Das in der Regierungskoalition vereinbarte Reformpaket mag der freundlichen Börsenstimmung zuträglich gewesen sein. Zudem wurden jüngst fast durch die Bank erfreuliche Konjunkturindikatoren veröffentlicht: steigende Produktionszahlen und Auftragseingänge, bessere Konsumindikatoren und positive Impulse vom Außenhandel. So könnte hierzulande das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gestiegen sein, was angesichts der strukturellen Schwäche und des Krieges im Nahen Osten eine positive Überraschung werden könnte, wenn die erste Schätzung des Statistischen Bundesamtes Ende des Monats gemeldet wird.
An den Aktienmärkten drängt sich nun neben Konjunkturdaten und geopolitischen Einflüssen die Berichtssaison für das zweite Quartal in den Vordergrund. Wirklich Fahrt nimmt der Zahlenreigen ab Dienstag auf, wenn vier Großbanken berichten und den Tenor für die Märkte setzen. Die Markterwartungen liegen bei einem hohen Gewinnwachstum von über 20 Prozent für den amerikanischen S&P 500 und gut 15 Prozent beim europäischen Stoxx 600. Beim Dax sind die Aussichten verhaltener mit einem Plus von rund drei Prozent. Bei allen Unwägbarkeiten rund um den Nahost-Konflikt bestätigen die Unternehmen damit das fundamentale Bild, dass sie flexibel und widerstandsfähig genug sind, um mit steigenden Umsätzen und Gewinnen weiterhin eine positive Kursentwicklung zu ermöglichen.