Eine Tankladung kostet schnell 3800 Euro. © Imago
An vielen Münchner Tankstellen rissen die Preise für Super-E10-Benzin gestern die 2-Euro-Marke. Der Grund: Die Straße von Hormus ist wieder geschlossen. „Während der Waffenruhe passierten zeitweise wieder rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag die Meerenge“, erklärt Analystin Linda Yu von der DZ Bank. Das entspricht rund zehn Prozent der globalen Nachfrage. „Inzwischen ist der Schiffsverkehr jedoch erneut weitgehend zum Erliegen gekommen.“ Trotzdem sei die Lage weniger angespannt als zu Beginn des Iran-Kriegs: „Saudi-Arabien leitet einen Teil seiner Exporte über die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer um. Die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen verstärkt ihre Pipeline nach Fujairah am Golf von Oman. Gleichzeitig haben mehrere Produzenten in Nord- und Südamerika sowie in Afrika ihre Förderung ausgeweitet“, erklärt Yu. „Während des Irankriegs haben wir Preisspitzen von rund 120 US-Dollar pro Barrel gesehen. Sollte der Konflikt länger andauern und die Lieferstörungen bleiben, halte ich Preise von 100 Dollar erneut für realistisch.“ Gestern Nachmittag waren es rund 85 Dollar.
Wie lange der Krieg noch dauert, ist unklar: „Aus ökonomischer Sicht hätte die US-Regierung ein Interesse an einer raschen Deeskalation, da anhaltend hohe Ölpreise die Inflation weiter anheizen und die US-Verbraucher belasten würden“, erklärt Linda Yu von der DZ Bank. „Der US-Präsident agiert aber häufig erratisch. Deshalb könnte der Konflikt andauern, selbst wenn es den USA schadet“, ergänzt sie.
„Besser im August kein Heizöl kaufen“
Das spüren auch Heizölkunden: Gestern Nachmittag kostete der Liter in München 1,28 Euro (bei 3000 Litern Bestellung), zeigen Daten des Vergleichsportals Heizoel24. Mitte Juni waren es kurzzeitig 1,07 Euro (wir berichteten). Heizoel24-Chef Oliver Klapschus ist beunruhigt: „Die Lage hat sich deutlich verschärft: Mitte Juni hatten wir relativ günstige Preise, aber die Kaufwelle ist ausgeblieben. Damit haben wir steigende Weltmarktpreise und die große Welle der Inlandsnachfrage, die uns im Herbst erreichen wird.“ Er rät zur Schadensbegrenzung: „Ich würde im August und September keinesfalls kaufen.“ Und falls der Tank fast komplett leer ist? „Wer dringend Öl braucht, kann jetzt noch einen halben Tank kaufen. Falls die Preise nochmal 10 Cent fallen, sollte man auf jeden Fall zuschlagen.“ Klapschus hofft auf den Winter: „Zwischen November und Januar sind die großen Bestellungen durch, da könnte es bessere Kaufchancen geben.“MAS