Kleinbatterien sollen weiter gefertigt werden. © dpa
Ellwangen – Es hätte eine deutsche Industrie-Erfolgsgeschichte werden können. Varta wollte vom Boom der Batterien profitieren, in Zukunftstechnologien investieren und mit den ganz Großen der Branche mithalten. Stattdessen meldete das traditionsreiche Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen nun beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Ziel dieses Schrittes ist es laut dem Unternehmen, die Zukunft zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen. Varta will sein Überleben mit dem Gang zum Insolvenzgericht langfristig sichern. „Die Antragstellung erfolgt daher nicht aufgrund einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb“, teilte das Unternehmen mit. Das Geschäft mit Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Wesentliche Ursachen für die erneute Krise seien deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungskurseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden, so Varta. Dabei handelt es sich um Apple. Die finanziellen Spielräume seien somit immer enger geworden. Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH betroffen.
Die wichtigsten Geldgeber – darunter die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – sehen inzwischen keine tragfähige Lösung mehr. Wie jüngst bekannt wurde, wollen sie das Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. „Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen“, erklärte ein Sprecher der Gruppe.
Die Anfänge von Varta reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Bereits Forscher Fridtjof Nansen hatte Varta-Batterien bei einer Polar-Expedition dabei.DPA