Das können die Geld-Roboter

von Redaktion

Die digitalen Anlagesysteme versprechen, Anleger gut durch das Börsenchaos zu lotsen. Hier: Händler an der Wall Street in New York. © imago stock&people

Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwalter, mit denen man automatisiert Geld anlegen kann. Dabei richten sich die automatisierten Systeme nach den Präferenzen der Kunden – etwa bei Anlagezeitraum oder Risikoneigung. Auch bestimmte Nachhaltigkeitskriterien können sie berücksichtigen (siehe Tabelle links). Auf dieser Basis erstellen die digitalen Systeme automatisch ein Portfolio für Kunden. Solche Robo-Advisor gibt es bei Direktbanken und Neobrokern wie Scaleable Capital oder ING, es gibt aber auch spezialisierte Anbieter wie Raisin, Bevestor, Liquid, Quirion oder Growney.

Automatisierung spart Kosten

Die Geldanlage mit Robo-Advisor funktioniert in fünf Schritten, sagt Thomas Bahlinger, Professor für Wirtschaftsinformatik und Co-Leiter des Labors für angewandte Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Nürnberg, der zu dem Thema forscht. „Zunächst wird der Anleger aufgefordert, Fragen zu seiner Geldanlage zu beantworten“, sagt er. Auf diese Weise sollen der Anlage- oder Sparbetrag, die Anlagedauer und die Risikobereitschaft des Kunden ermittelt werden. Der Algorithmus des Robo-Advisors entwickelt daraufhin eine Anlageempfehlung, die im Wesentlichen aus einer Verteilung des Anlage- oder Sparbetrags auf unterschiedliche Vermögensklassen besteht. Anschließend werden konkrete Vorschläge für die Anlagen gemacht – häufig „auf Basis kostengünstiger Indexfonds in Form von Exchange Traded Funds (ETFs)“. Nach Vertragsabschluss buchen die Robo-Advisor die Wertpapiere ins Depot ein. Im Rahmen des Rebalancings wird nach einiger Zeit automatisiert überprüft, ob die Zusammensetzung des Depots noch dem ursprünglichen Profil entspricht. Ist das nicht der Fall, werden die Gewichte der Wertpapiere angepasst.

„Wer sich an Banken wendet, um Geld anzulegen, erhält häufig Empfehlungen, bei denen hohe Kosten entstehen“, sagt Bahlinger. „Robo-Advisor versuchen, dem entgegenzuwirken“, sagt er. Geringere Gebühren für die Kunden sieht auch Yann Stoffel, Geldanlage-Experte von Stiftung Warentest, als Vorteil. Ein Test von 16 Robo-Advisor der Stiftung hat kürzlich gezeigt, dass die Gebühren für die Verwaltung eines Robo-Advisor-Depots schon bei 0,11 Prozent beginnen. Sie können aber auch 1,25 Prozent betragen – etwa so viel wie ein Honorarberater. Die günstigeren Kosten vieler Robo-Advisor haben aber auch einen reduzierten Kundenservice zur Folge, sagt Stoffel: „Es gibt einen Newsletter oder eine Hotline, aber einen persönlichen Ansprechpartner, der in Krisenzeiten die Hand hält, gibt es nicht oder nur gegen höhere Gebühren.“

Entscheidungshilfe durch die KI

Stoffel sieht Robo-Advisor als Modell, das besonders für Anleger geeignet ist, die sich nicht selbst um ihre Anlagen kümmern wollen. „Viele sehen Anlageempfehlungen und sind allein schon von der großen Auswahl überfordert“, sagt er. Er rät jedoch dazu, einem Robo-Advisor nicht einfach zu vertrauen. Der Test habe gezeigt, dass die meisten von ihnen zwar „recht normal“ anlegten, es habe aber auch einige gegeben, über deren Strategien die Experten sich gewundert hätten, weil sie nicht zu den genannten Präferenzen gepasst hätten oder sehr ausgefallen waren.

Im Test nutzte die Stiftung unter anderem einen ausgewogenen Musteranleger, der Geld in Höhe von 40.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren anlegen wollte. Stoffel und seine Kollegen erstellten ein Vergleichs-Depot mit zwei Komponenten: Eine Hälfte bestand aus einem MSCI-Index, der alle sinnvoll investierbaren Aktien weltweit umfasst. Die zweite Hälfte sollte aus sichereren Anleihen aus der Eurozone bestehen, wie zum Beispiel dem Bloomberg Euro Aggregate Index. Weiter wurde geprüft, wie die Vorschläge der Robo-Advisor im Vergleich mit dem Stiftungs-Portfolio über die vergangenen fünf Jahre abgeschnitten haben. Das Ergebnis: „Knapp die Hälfte der analysierten Strategien wies ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als die Stiftungs-Strategie auf“, sagt Stoffel. „Insbesondere während der Zinswende war es leicht, besser abzuschneiden. Auf lange Sicht gilt aber: Robo-Advisor können den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko nicht aushebeln.“ Bei einer Untersuchung 2023 der Stiftung hatten die weitaus meisten Robo-Advisor noch schlechter als das Musterportfolio abgeschnitten. Ein selbst gesteuertes Portfolio könne langfristig ebenso erfolgreich oder erfolgreicher sein, sagt Stoffel.

Bei Anlagevorschlägen genau hinsehen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) überwacht Robo-Advisor und ist auch für ihre Zulassung zum Markt zuständig. Die Bafin sieht Chancen, aber auch Risiken: „Bei automatisierter Anlageberatung oder Finanzportfolioverwaltung können Kundinnen und Kunden falsche Entscheidungen treffen, wenn sie zu wenige Informationen haben oder diese falsch verstehen“, sagt Ulf Linke aus dem Verbraucherschutz-Team der Bafin. Die Bafin empfiehlt, im Zweifelsfall beim Kundenservice des Robo-Advisors nachzufragen und die schriftlichen Informationen sorgfältig zu lesen. Die Finanzaufsicht warnt vor zu großer Sorglosigkeit. Zum einen seien Kunden oft nachlässig bei der Dateneingabe oder sie träfen unüberlegte Entscheidungen. Das Vertrauen in die digitale Kompetenz führe außerdem dazu, dass über Vorschläge schneller entschieden werde.

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