An der Tankstelle bleibt Sprit teuer. © Sebastian Kahnert, dpa
Frankfurt/München – Die Hoffnung auf eine Annäherung der Kriegsparteien USA und Iran hat den Dax erstmals über die 26.000 Punkte getrieben. Der deutsche Leitindex stieg am Montagvormittag knapp über diese Marke. Kurz nach Handelsauftakt hatte der Dax das Anfang Juli erreichte Rekordhoch von 25.900,10 Punkten überschritten. Am Mittag pendelte der Dax um die 26.000 Punkte. „Innerhalb von nur drei Wochen hat der deutsche Leitindex mehr als 1300 Punkte gutgemacht. Den unmittelbaren Impuls liefert die geopolitische Entspannung“, sagte Birgit Henseler, Analystin bei der DZ Bank. „Eine große Rolle spielt auch die Berichtssaison zum zweiten Quartal, die in den USA und in Europa bislang besser verläuft als erwartet.“
Dem Dax komme zudem seine Zusammensetzung zugute. Durch seinen Schwerpunkt unter anderem auf Industrie- und Finanzwerte sei der Index von der Diskussion über eine mögliche KI-Blase weniger stark betroffen als reine Tech-Indizes.
Nachdem US-Präsident Donald Trump am Wochenende neue Gespräche mit dem Iran angekündigt und gleichzeitig einen Großangriff abgesagt hatte, gaben die Ölpreise zum Wochenauftakt kräftig nach. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas über 83 US-Dollar, also knapp 7 Prozent weniger. Ein perspektivisch sinkender Ölpreis begünstigt laut Jochen Stanzl von der Consorsbank die zyklische und energieabhängige Industrie im Dax. „Allerdings dürfte die geopolitische Situation weiterhin fragil bleiben. Viele wichtige Fragen im Irankonflikt sind ungeklärt. Die Anleger sind dennoch zuversichtlich, aber von Euphorie ist keine Spur“, sagte der Marktanalyst.
Nur an den Tankstellen ist von der Entspannung an den Rohölmärkten bisher wenig zu spüren: Gestern kostete Sprit der Sorte E10 kurz vor 12 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 2,10 Euro, der Diesel-Preis lag bei 2,18 Euro. „Schon seit mehreren Monaten sind die Kraftstoffpreise teilweise deutlich überteuert, doch in den vergangenen Wochen ist Tanken noch einmal drastisch teurer geworden“, kritisierte ein Sprecher des ADAC. Zwar sei der Rohölpreis zum 23. Juli kurzzeitig wieder auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen, doch obwohl er zum Monatsende auf deutlich unter 90 US-Dollar gesunken sei, hätten die Spritpreise nicht nachgegeben oder stiegen sogar weiter. „Dies muss vom Bundeskartellamt untersucht werden“, sagte der ADAC-Sprecher. Dabei sollten vor allem die Raffinerie- und Großhandelspreise überprüft werden.DPA/SH