Das Lockangebot verärgert die Milcherzeuger. © Knuspr
„Das ist eine neue Dimension, dass man Billigangebote noch mal um ein Drittel verbilligt!“ Hans-Jürgen Seufferlein, Senior Consultant beim Verband der Milcherzeuger Bayern, ist empört. Knuspr, der Online-Supermarkt und Lebensmittel-Lieferdienst, wirbt derzeit mit einem Dumping-Preis für Deutsche Markenbutter: Für ein 250-Gramm-Päckchen der Eigenmarke MIIL werden nur 69 Cent verlangt. „Das geht total in die falsche Richtung“, schimpft der Milchexperte im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Anforderungen an die Bauern würden immer weiter steigen, ebenso die Energiekosten. Gerade seien die Nerven der Landwirte wegen der Trockenheit ohnehin zum Zerreißen gespannt – „und dann sieht man solche Lockangebote. Da kann man an die Decke gehen.“
Lockangebote habe es in der freien Marktwirtschaft immer gegeben. Sehr kritisch zu bewerten sei aber das Ausmaß der Preisreduzierungen. Zwischen 30 Prozent Nachlass und 60 Prozent sei ein gewaltiger Unterschied. Neu sei, dass hier sogar „Billigmarken“, also die Eigenmarken vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH), nochmals reduziert würden.
An einen derart niedrigen Preis – 69 Cent – kann sich Seufferlein nicht erinnern. Die Wochenangebote etwa für bekannte Markenbutter wie Weihenstephan, Meggle, Landliebe, Frau Antje, teilweise auch Andechser, seien in den Prospekten des LEH zu finden. In dieser Woche fielen hier Weihenstephan und Meggle ins Auge, die deutlich preisreduziert sind. Spitzenreiter sei Netto Markendiscount, wo Meggle-Butter von Donnerstag bis Samstag statt für 2,59 Euro für nur 99 Cent/250 g angeboten wird, ein Preisnachlass von 61 Prozent. Und das werde von Knuspr noch einmal erheblich unterboten. „Solche Angebote sollen schlicht auf das Online-Portal locken. Der Verbraucher wird über andere, weniger vergleichbare Produkte abgezockt.“
Die 69 Cent liegen für Seufferlein „mit Sicherheit unter den Herstellungs- beziehungsweise Gestehungskosten. Egal, ob der verwendete Rahm aus dem Einzugsgebiet der produzierenden Molkerei oder durch Zukauf am freien Markt, möglicherweise aus Tschechien oder Polen, stammt.“ Gegen Preisreduzierungen für die Dauer einer Woche gibt es seitens der Wettbewerbsbehörde keine Einwendungen, sagt er. „Aber für den hier festgelegten Aktionszeitraum bis 23. August, also fast drei Wochen zu den niedrigen Konditionen, gibt es keine Blaupause. Das wird kartellrechtlich zu prüfen sein.“
Die Folgen einer solchen Aktion seien fatal: Der wahre Wert vor allem von Lebensmitteln und die zwingend notwendige Wertschöpfung der so stark verbilligten Produkte gingen für die Verbraucher mehr und mehr verloren. Aber einer in der Wertschöpfungskette müsse das bezahlen: „Entweder der Landwirt, weil durch den enormen Preisdruck am Ende keine Marge mehr bleibt und kein nachhaltiges Produzieren mehr möglich ist. Oder der Verbraucher, der anderweitig draufzahlt.“
Richard Harris Jr., Manager bei Knuspr, erklärte zu der Aktion, dass es sich um eine „zeitlich begrenzte Abverkaufsaktion aufgrund eines erhöhten Warenbestands“ handele. Um zu vermeiden, Lebensmittel „im schlimmsten Fall entsorgen zu müssen“. Kartellrechtliche Einschränkungen für Verkäufe unter Einstandspreis richteten sich nach seiner Überzeugung an Unternehmen mit überlegener Marktmacht. Eine solche Marktstellung habe Knuspr im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nicht.CLAUDIA MÖLLERS