DIE BÖRSENWOCHE

Realität holt die KI ein

von Redaktion

Nächste Woche werden Inflationszahlen für die USA erwartet. Verändern sich die Zinsen, wirkt sich das auf die Finanzmärkte weltweit aus. © Yuki Iwamura/dpa

In Deutschland werden zunehmend die wirtschaftlichen Folgen der Hitze und Trockenheit zum Thema. Die niedrigen Pegelstände an wichtigen Wasserstraßen führen zu Produktionsausfällen, obwohl sich viele Unternehmen aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit auf eine solche Lage eingestellt haben und Transporte auf Straße und Schiene verlagern. Der deutsche Aktienmarkt reagierte jedoch nicht auf diese Probleme.

Zum einen, weil die Dax-Unternehmen nur zu einem kleinen Teil am Standort Deutschland hängen. Zum anderen aber auch, weil die Produktionsausfälle erfahrungsgemäß im nächsten Quartal wieder aufgeholt werden. Im Gegenteil: Die militärische Deeskalation im Persischen Golf ließ den Dax auf neue Höchststände ansteigen.

Das zweite große Thema an den Kapitalmärkten ist weiterhin die Entwicklung der Technologieunternehmen in den USA. Heftige Kursausschläge bei asiatischen Chipherstellern verdeutlichten auch in der zurückliegenden Handelswoche die Unsicherheit, die an den Finanzmärkten über die Bewertung von Plattformunternehmen, Chip-Produzenten und Infrastrukturunternehmen herrscht. Gegenwärtig findet im KI-Sektor ein Übergang von einer generellen Euphorie in die harte Realität der Zahlen statt. Eine Folge davon sind starke Kursausschläge, die auch künftig weiter zu beobachten sein werden.

Auf Gesamtmarktebene gleichen sich einige Faktoren jedoch wieder aus: Preissenkungen bei Halbleitern etwa belasten die Kurse einzelner Chiphersteller, reduzieren aber zugleich die Investitionskosten von KI-Unternehmen und stützen deren Aktienkurse. Die Gewinnentwicklung im letzten Quartal zeigt, dass viele beteiligte Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle erhebliche Substanz aufweisen. Ob diese ausreicht, um die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen, kann niemand seriös vorhersagen.

Die wichtigste Wirtschaftszahl der kommenden Handelswoche kommt aus den USA. Fallen die neuesten Inflationsdaten zu hoch aus, dürfte der Druck auf die US-Notenbank steigen, die Leitzinsen im September zu erhöhen. Dies verschlechtert Finanzierungskonditionen für die hohen Investitionsausgaben in den USA, insbesondere auch im KI-Sektor. In Deutschland werden die ersten Stimmungsindikatoren für die Konjunkturentwicklung im August gemeldet. Sie sollten Aufschluss geben, ob die wieder aufgekeimten Aufschwungshoffnungen diesmal berechtigt sind.

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