Ab sechs für die Rente sparen

von Redaktion

Die Frühstartrente soll Kindern ein finanzielles Polster verschaffen – und Anreize setzen, später selbst weiter zu sparen, um fürs Alter vorzusorgen. © andy dean, smarterpix

Die Frühstartrente kann kommen. Dabei geht es der Regierungskoalition nicht nur darum, die finanzielle Absicherung im Alter zu verbessern. Ziel ist auch, Kinder und Jugendliche an den Aktienmarkt heranzuführen.

Wie funktioniert die Frühstartrente?

Der Staat zahlt bis zum 18. Geburtstag eines Kindes monatlich zehn Euro in ein zertifiziertes Vorsorgeprodukt ein. Dieser Betrag kann beispielsweise von Eltern oder Großeltern durch freiwillige Einzahlungen von bis zu 6840 Euro pro Jahr aus eigenen Mitteln ergänzt werden. Das Depot können die Eltern bei einem privaten Anbieter ihrer Wahl eröffnen.

Gibt es dafür Vorgaben?

Das Finanzministerium schreibt für die Verträge einen Deckel bei den tatsächlichen Kosten von einem Prozent vor. Zudem dürfen keine Abschluss- und Vertriebskosten entstehen, bis das Kind 18 Jahre alt wird. Das Standarddepot muss aus zwei vorausgewählten Fondsbausteinen bestehen, einem risikoarmen Fonds in Risikoklasse 1 bis 2 (von insgesamt sieben Risikoklassen) und einem etwas risikoreicheren in Risikoklasse 3 bis 5. Berechtigt sind alle Kinder und Jugendlichen, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben.

Muss man die staatliche Förderung beantragen?

Das übernimmt der Anbieter des Depots.

Ab wann gibt es die Frühstartrente?

Die Frühstartrente soll mit dem Geburtsjahrgang 2020 beginnen, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab 2027 kommt jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen hinzu. Für frühere Geburtsjahrgänge der unter 18-Jährigen können ebenfalls Verträge geschlossen werden, jedoch ohne staatliche Zuwendungen. Ab der Volljährigkeit kann das Altersvorsorgedepot eigenständig weiter bespart werden. Auch ein Wechsel zu einem anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag ist möglich.

Was passiert, wenn Eltern nichts unternehmen?

Eröffnen Eltern kein eigenes Vorsorgedepot für ihr Kind, soll die Förderung nicht verfallen. Stattdessen fließt das Geld in ein neu geschaffenes Sondervermögen des Bundes, das von der Bundesbank verwaltet und breit gestreut am Kapitalmarkt investiert werden soll. Bis spätestens zum 25. Lebensjahr können Betroffene das angesparte Vermögen in einen eigenen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen. Zusätzliche Einzahlungen sind dann aber nicht möglich.

Gibt es steuerliche Vorteile?

Während der Ansparphase bleiben die Erträge steuerfrei, die staatlichen Einzahlungen unterliegen nicht der Einkommensteuer. Für etwaige Aufstockbeträge der Eltern sind allerdings keine Steuervorteile vorgesehen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital grundsätzlich aber nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahrs.

Lohnt sich die Frühstartrente?

Aus den staatlichen Zahlungen bis zum 18. Lebensjahr ergibt sich eine Einzahlsumme von 1440 Euro. Nach Berechnungen des Ratgebers „Finanztip“ würde dies bei einer durchschnittlichen Verzinsung abzüglich der Kosten in dem Zeitraum auf 2200 Euro anwachsen. Würde dieses Geld in ein Altersvorsorgedepot übertragen und weiter verzinst, stünde demnach beim Renteneintritt ein Vermögen von schätzungsweise 25.000 Euro zur Verfügung

Was sagen Experten zur Frühstartrente?

„Zehn Euro im Monat schließen keine Rentenlücke. Sie können aber der Startschuss für Jahrzehnte des Vermögensaufbaus sein“, erklärte dazu der Chefredakteur von „Finanztip“, Hermann-Josef Tenhagen. Das Vorhaben, die staatlichen Mittel auch ohne Antrag bereitzustellen, bezeichnete er als „echten Paradigmenwechsel“. Damit bleibe die Förderung für die Kinder erhalten, auch wenn deren Eltern zunächst nichts unternehmen. „Das sorgt für mehr Chancengleichheit und ist ein guter Ansatz für eine moderne Altersvorsorge.“ Der Förderanspruch soll laut den bisherigen Gesetzesplänen automatisch an den Bezug von Kindergeld gekoppelt werden. Kritisch bewertet „Finanztip“ die vorgesehene Kostenobergrenze von bis zu einem Prozent pro Jahr. „Ein Prozent laufende Kosten sind deutlich zu hoch. Weltweit streuende passive Aktien-ETFs gibt es heute bereits für rund 0,2 Prozent pro Jahr“, erklärte dazu Tenhagen. Über einen Anlagezeitraum von 60 oder 70 Jahren belasteten teurere Produkte die Sparer mit unnötigen Kosten von zehntausenden Euro.

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