DIE BÖRSENWOCHE

Rekordjagd in unsicheren Zeiten

von Redaktion

Während des Sommers gönnen sich auch die Zentralbanker eine Auszeit und der Kalender der statistischen Veröffentlichungen lichtet sich. Dennoch gab es zuletzt einige makroökonomische Kennzahlen, die auf der deutschen Seite mit einem deutlichen Zuwachs der Auftragseingänge positiv überraschten. Zudem haben die Stimmungsindikatoren im Juli ihren positiven Trend fortgesetzt. Da diese Zahlen jedoch größtenteils vor der erneuten Schließung der Straße von Hormus erhoben wurden, sind sie nur bedingt aussagekräftig und wurden vom Markt kaum beachtet.

Nachdem der neue Fed-Chef Warsh die Kommunikation zur geldpolitischen Ausrichtung gestutzt hat, gewinnen die makroökonomischen Zahlen aus den USA an Bedeutung, allen voran die Arbeitsmarkt- und Inflationszahlen. Die Arbeitsmarktdaten lieferten widersprüchliche Signale: Die Beschäftigung ist im Juli überraschend um 23.000 gegenüber Vormonat gesunken und die Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent gefallen, was mit dem Austritt der Babyboomer aus der Erwerbstätigkeit und der restriktiven Migrationspolitik der Trump-Administration zu erklären ist.

Diese Woche sind die Gesamt- und Kerninflationsrate im Rahmen der Markterwartungen um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 bzw. 2,4 Prozent gefallen. Beide bleiben aber klar über dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent. Am Markt hat dies die Erwartung einer Fed-Zinserhöhung im September geringer werden lassen. Wir erwarten jedoch Zinserhöhungen von Fed und EZB im September. Die zehnjährigen US-Staatsanleiherenditen haben kaum auf die Zahlen reagiert und werden neben der Entwicklung der vom Iran-Krieg getriebenen Ölpreise auch von der US-Fiskalpolitik bestimmt. Dabei sticht die Währungsintervention zugunsten des japanischen Yen von Anfang August ins Auge, mit der die Amerikaner versucht haben, den wichtigsten internationalen Halter von US-Staatsanleihen bei Kauflaune zu halten.

Die geopolitischen und geldpolitischen Unsicherheit spiegeln sich an den Aktienmärkten kaum wider. So gab es trotz Abwärtskorrekturen bei Einzeltiteln nach enttäuschenden Bilanzen im August erneut Höchststände der breiten Indizes wie Dax und S & P 500, und das bei historisch niedrigen Kursschwankungen. Da auch andere Krisen-Frühindikatoren wie z. B. Kreditaufschläge für hochverzinsliche Anleihen in den USA keine Warnsignale aussenden, kann es weitere Rekordstände in diesem Jahr geben. Doch die steigenden Kreditausfallwahrscheinlichkeiten für einige große US-IT-Unternehmen und die Gefahr eines deutlichen Anstiegs der Ölpreise könnten bei Anlegern kurzfristig für Unruhe sorgen und zu einer deutlichen Korrektur führen.

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