Gas: Kostenfalle Grundversorgung

von Redaktion

Gas ist teurer geworden. „Finanztip“ rät zum Tarifwechsel – und langfristig zu klimafreundlichen Alternativen wie einer Wärmepumpe. © Stephan Schulz/IMAGO

Der Krieg in Nahost wird zum Problem für Gasverbraucher: Die Preise für Neukunden haben den höchsten Stand seit fast dreieinhalb Jahren erreicht. Das meldete das Verbaucherportal „Finanztip“ gestern. Im Bundesdurchschnitt kostet die Kilowattstunde (kWh) demnach 11,56 Cent, 23 Prozent mehr als im Februar vor Beginn des Iran-Kriegs. Die Angaben gelten für einen Verbrauch von 15.000 kWh. Münchner kommen dabei noch besser weg: Die günstigen Angebote beginnen bei 10,14 Cent, zeigen Berechnungen unserer Zeitung auf Basis von Daten des Vergleichsportals Verivox.

■ Hunderte Euro sparen

„Finanztip“ rechnet vor: Allein ein Anstieg von 2 Cent pro Kilowattstunde kostet große Haushalte 300 Euro im Jahr. Deshalb lohnt sich jetzt mehr als sonst auch: Preise vergleichen. Besonders deutlich ist der Unterschied bei der Grundversorgung: In diesem Tarif landen alle, die sich keinen eigenen Tarif buchen. Laut Verivox kostet die Grundversorgung in München für unser Beispiel rund 12,5 Cent/kWh.

■ Tarif finden

Grundsätzlich lohnt es sich, ein Vergleichsportal wie „Finanztip“, „Verivox“ oder „Check24“ zu nutzen. Denn durch den Druck der Vergleichsportale gewähren die Versorger Neukunden üppige Einmal-Rabatte. Dadurch zahlen sie meist effektiv weniger als Bestandskunden. Die Portale rechnen alle Kosten und Boni zu einem leicht vergleichbaren Preis pro kWh zusammen – wie in unserem Beispiel oben. Je höher der Verbrauch, desto günstiger meist der Preis. Mit jedem Abschluss geht man in der Regel eine Vertragslaufzeit von 12 bis 24 Monaten ein. In dieser Zeit gilt der vereinbarte Preis. Danach empfiehlt sich ein Wechsel: Denn zum einen besteht nach Ende der Preisbindung das Risiko steigender Preise – zum anderen fällt der Einmal-Effekt des Wechselbonus weg. Allerdings kann auch ein Nachfolge-Angebot attraktiv sein. Wichtig: Nicht immer ist der allerbilligste Anbieter der beste. In der Energiekrise 2022/23 mussten einige kleine Versorger ihre Kunden vor die Tür setzen, weil sie ihre Lieferungen nicht vernünftig abgesichert hatten.

Allerdings dürfen nur Eigentümer ihren Gastarif selbst aussuchen. Mieter haben lediglich das Recht, dass ihr Vermieter einen Vertrag zu marktüblichen Konditionen abschließt.

■ Risiken beachten

Angesichts der geopolitischen Lage bieten Verträge mit Preisbindung ein Sicherheitsnetz. Zwar haben Verbraucher bei jeder Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht – doch das hilft wenig, wenn in einer Krise alle Angebote teuer sind. In einer aktuellen Analyse sieht die Commerzbank neben leichter Entspannung auch Risiken: „Wir gehen von einer Öffnung der Straße von Hormus im vierten Quartal aus, weshalb sich der Gasmarkt dann zumindest etwas entspannen“ könnte, sagte Commerzbank-Analyst Norman Liebke unserer Zeitung. „Richtung Jahresende könnte der Preis am europäischen Referenzmarkt TTF von heute 60 Euro pro Megawattstunde auf 50 Euro sinken.“ Ein Selbstläufer ist das jedoch nicht: Laut Commerzbank-Analyse wurden im Juni und Juli jeweils nur 8 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas (LNG) nach Europa geliefert: „Würde dies bis zum Frühjahr gehalten werden, würden die Gasspeicher im Oktober gerade mal um die 70 Prozent erreichen und im März in Richtung 0 Prozent laufen“, so Liebke. Und leere Speicher bergen das Risiko starker Preisschwankungen. Der Analyst hält eine Steigerung der LNG-Importe auf 10 Milliarden Kubikmeter pro Monat allerdings für realistisch: Das würde immerhin reichen, um im März bei 16 Prozent Füllstand zu landen. Mit deutlich höheren Importen rechnet die Commerzbank wegen des kriegsbedingt knappen Angebots aber nicht. Dazu kommt das Wetterrisiko: In der Frankfurter Prognose wurde mit der Durchschnitts-Nachfrage der vergangenen drei Jahre gerechnet. Ein Kälteeinbruch könnte den Gasbedarf und damit die Großhandels-Preise deutlich steigen lassen.

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