DIE BÖRSENWOCHE

US-Notenbank-Chef hat das Wort

von Redaktion

Seit Monaten werden an den internationalen Kapitalmärkten vor allem zwei Themen diskutiert: die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten, insbesondere die seit Februar sehr hohen Rohölpreise, sowie die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz. Eher im Hintergrund hat ein anderer marktbestimmender Faktor an Bedeutung gewonnen.

Bei längeren Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren haben anhaltend hohe Inflation und steigende Staatsschulden zu deutlichen Renditesteigerungen geführt. In den USA, Japan und Deutschland wurden Niveaus erreicht, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Betroffene Staaten müssen dadurch immer mehr Kapital zur Bedienung der Zinsforderungen ihrer Gläubiger ausgeben. Wenn nicht parallel andere Ausgaben gekürzt werden, steigen die Schuldenniveaus weiter, was einen zusätzlichen Zinssteigerungsdruck zur Folge hat.

Um diesem drohenden Teufelskreis zu entgehen, hat US-Finanzminister Scott Bessent angekündigt, ausstehende Anleihen mit langen Laufzeiten verstärkt zurückzukaufen. Durch die zusätzliche Nachfrage soll das Zinsniveau gesenkt werden. Zur Refinanzierung der Anleihekäufe muss sich die US-Regierung jedoch am kurzen Laufzeitenende verschulden, also Anleihen mit Laufzeiten von wenigen Monaten ausgeben. An diesem Punkt rückt die US-Notenbank Fed in den Fokus. Denn die Höhe kurzfristiger Zinsen wird maßgeblich durch den Leitzins bestimmt. Daher fordert Präsident Donald Trump immer wieder Leitzinssenkungen, die jedoch seit Ende 2025 ausbleiben – insbesondere wegen der zu hohen Inflation.

Sollten die Interventionen Bessents an den Kapitalmärkten erfolglos bleiben und die Renditen weiter ansteigen, müsste möglicherweise Fed-Präsident Kevin Warsh einschreiten. Die Gelegenheit dazu böte sich am Ende der kommenden Woche, wenn in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming das weltweit wichtigste Notenbankentreffen stattfindet. Zwar kann dort keine Leitzinssenkung beschlossen werden. Naheliegend ist aber eine verbale Intervention, also die Ankündigung im Falle stark steigender Zinsen über eine Leitzinssenkung nachzudenken oder gar Anleihekäufe vonseiten der Notenbank zu lancieren. Allein diese Ankündigung könnte die Spekulation an den Märkten auf weiter steigende Zinsen beenden. Denn anders als das Finanzministerium verfügt die Notenbank über unbegrenzte finanzielle Mittel. Die Inflationsbekämpfung müsste vorerst hintenanstehen.

Die Aussicht auf sinkende Zinsen würde Aktienmarktnotierungen unterstützen. Der zuletzt im Vergleich zum Euro abgewertete Dollar hingegen dürfte weiter nachgeben.

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