Wolfsburg – Gleich neun außerordentliche Betriebsversammlungen stehen bei Volkswagen in den kommenden Tagen auf dem Programm. Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Konzerns und der VW-Standorte. Die VW-Führung will die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Belegschaft, Gewerkschaften und Politik bangen um zehntausende Arbeitsplätze und die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.
Der Konzern kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Umfeld. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte VW-Konzernchef Oliver Blume jüngst in einem Interview. Blume zufolge verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Einsparungen reichten nicht aus. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb der VW-Boss das Problem.
Er verwies auf die ernste Lage der Branche. „Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.“ Als große Herausforderungen nannte er US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, de immer härteren Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen. Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und den Sparkurs verschärfen zu wollen.
Dem Betriebsrat reichen die „oberflächlichen Infos“ der Konzernleitung nicht aus. Deshalb hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll. Bis Ende August sind neun Veranstaltungen geplant, darunter Versammlungen in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Die erste Betriebsversammlung steht am heutigen Dienstag in Wolfsburg an.
Zum Auftakt in der Konzernzentrale soll Blume gemeinsam mit Markenchef Thomas Schäfer zur Belegschaft sprechen. Die beiden weiteren Termine, die Blume und Schäfer gemeinsam absolvieren, sind mit Zwickau und Emden an zwei der vier Standorte, die möglicherweise auf der Kippe stehen.
Die Sorgen in der Belegschaft sind groß. „Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen“, sagt Blume jüngst. „Zusätzlich müssen wir in Europa Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen.“ Aber: „Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen ist nicht getroffen.“