Überall in Deutschland wird gegraben. Weil das Milliardensummen verschlingt, wollen Anbieter am liebsten schon vor dem Start Verträge verkaufen. © Moritz Frankenberg/dpa
München – Viele Städte und Gemeinden bauen gerade Glasfasernetze auf, schließlich sollen bis 2030 alle Haushalte im Bund Zugang zu schnellem Internet haben. Doch viele Deutsche fremdeln mit dem neuen Netz – auch, weil für den Anschluss oft im Garten gebuddelt und eine Leitung bis in die Wohnung gelegt werden muss. Muss das sein? Und was sind die Alternativen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wieso wird Glasfaser eigentlich verlegt?
Weil die Datenmengen im Internet rasant wachsen, will sich Deutschland mit Glasfaser fit für die Zukunft machen. Glasfaser-Internet ist deutlich schneller. Privatkunden erhalten bis zu ein Gigabit pro Sekunde – das ist vier- bis zehnmal so viel wie bei DSL. Für Firmen ist oft noch mehr Tempo möglich. Glasfaser hat weitere Vorteile. Jeder Kunde hat seinen eigenen Anschluss, deshalb gibt es keine Datenstaus. Und weil die Daten als Lichtimpuls übertragen werden, ist das Netz weniger störungsanfällig. Es braucht auch weniger Energie als das stromintensive DSL-Netz. Experten gehen davon aus, dass Glasfaser zum Standardnetz wird.
Sollen alle Haushalte Glasfaser bekommen?
Im Prinzip sollen bis 2030 alle Haushalte und Firmen einen Glasfaseranschluss buchen können, wahrscheinlich werden es bis dahin aber eher 80 als 100 Prozent sein. Dennoch sagt Finanzminister Albert Für- acker, in Bayern für den Ausbau zuständig: „Unser Ziel in Bayern ist klar: Gigabit für alle!“ Beim Glasfaserausbau geht es nicht nur darum, dass Privathaushalte Filme in besserer Auflösung streamen können. Es geht auch um Firmen, die Geschäfte im Internet machen, Künstliche Intelligenz nutzen und deshalb schnelle und stabile Leitungen brauchen. Bund und Freistaat fördern den Ausbau deshalb.
Können auch Mieter Glasfaser beantragen?
Auch Mieter dürfen einen Glasfaser-Anschluss bestellen, sie haben theoretisch sogar ein Recht darauf. Hauseigentümer müssen den baulichen Veränderung dennoch zustimmen, bevor der Ausbau beginnt. Deshalb müssen Mieter und Vermieter den Schritt faktisch gemeinsam beschließen.
Wieso werden schon beim Bau Verträge verkauft?
Der Glasfaserausbau verschlingt viele Milliarden. Das muss sich am Ende lohnen. „Wenn keiner einen Vertrag abschließt und den Anschluss nutzt, verbuddelt man viel Geld im Boden“, erklärt Markus Jodl, Sprecher der Telekom. „Deshalb prüfen wir vorab das Interesse.“ Für den Ausbau sind über 200 private Anbieter zuständig. Den größten Anteil hat die Telekom, danach kommen Konkurrenten wie Deutsche Glasfaser sowie regionale Anbieter wie M-Net in München. Sie verlegen die Netze teilweise auf eigene Kosten, vor allem in ländlichen Gebieten meist aber mit Förderung. Seit 2014 hat der Freistaat dafür 2,7 Milliarden Euro bereitgestellt. Auch Gemeinden und Kommunen haben deshalb ein Interesse daran, dass viele Bürger die Verträge abschließen, und werben auf Infoveranstaltungen für Glasfaser.
Wie viele Haushalte sind schon angeschlossen?
Bisher hinkt Deutschland international bei schnellem Internet hinterher. Im Herbst 2025 nutzten laut einer Erhebung von FTTH Council Europe nur 14 Prozent der deutschen Haushalte Glasfaserinternet. Damit liegt Deutschland weltweit im hinteren Drittel – hinter dem Irak oder Ecuador. Das Problem ist aber weniger ein schleppender Ausbau, sondern eher mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung. Laut dem Anbieterverband VATM dürfte in Deutschland bereits zum Jahresende an zwei Dritteln der Haushalte eine Glasfaserleitung vorbeigehen, an die man Kunden anschließen kann. Allerdings bucht bisher nur jeder vierte mögliche Kunde auch wirklich einen Anschluss. Das deckt sich mit Daten der Bundesnetzagentur und der Telekom.
Wie teuer ist ein Glasfaser-Anschluss?
In der Regel sind Glasfasertarife kaum teurer als vergleichbare DSL-Tarife, oft bekommt man sogar mehr Tempo für gleiches Geld. Bei der Telekom und vielen anderen Anbietern ist auch die Verlegung der Kabel ins Haus kostenlos, sofern man sofort oder zeitnah einen Glasfaservertrag abschließt. Nur einen neuen Router, der etwa 200 Euro kostet, braucht man oft.
Ist man dauerhaft an den Anbieter gebunden?
Nein. In der Regel laufen die Verträge mindestens zwei Jahre. Danach kann man den Vertrag laut Verbraucherzentrale ohne Probleme kündigen. Man kann auch zurück auf DSL wechseln, sofern das Kabel noch besteht. Ob es einen weiteren Glasfaseranbieter auf dem eigenen Netz gibt, hängt von der Ausbauart ab. Bei einem geförderten Ausbau ist das in der Regel der Fall, weshalb man dort auch einen anderen Glasfaseranbieter wählen kann. Bei einem Eigenausbau eines Betreibers kann es anders sein. Deshalb vorab über die Art des Ausbaus informieren!
Wird dann in Haus und Garten gebohrt und gebaggert?
„Wir müssen für den Anschluss bis hinter die Haustür“, bestätigt Markus Jodl von der Telekom. Dafür muss auch ein Kabel von der Hauptleitung bis ins Haus gezogen werden, was am besten dann geht, wenn ohnehin gerade für die Hauptleitung gebaggert wird. Manchmal wird dann unter dem Garten oder dem Gehweg das Kabel mit einer sogenannten Erdrakete durch das Grundstück unterirdisch zum Haus geführt. Manchmal muss auch im Garten gegraben werden. Viele Anbieter beschäftigen dafür Gartenbaufirmen, die Bauspuren später wieder beseitigen. Laut Deutsche Glasfaser wird der Anschlusspunkt meist im Keller geplant. Bei einer Hausbegehung werde mit dem Eigentümer bestimmt, wo Rohre und Anschluss platziert werden.
Was kostet es, wenn man später doch Glasfaser will?
Bei der Telekom kostet es laut Finanztip Stand jetzt 799 Euro, wenn man sein Haus nachträglich ans Glasfasernetz anschließen lassen will, bei Deutsche Glasfaser sind es mindestens 1500 Euro, bei Deutsche Giganetz 1990 Euro und bei Vodafone bis zu 3399 Euro. In der Regel lohne es sich, während der Ausbauphase einen Vertrag zu zeichnen, so Finanztip. „Ein späterer Anschluss wird meist teurer.“ Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein Anbieter das Netz vor Ort auf eigene Kosten ausgebaut hat oder der nachträgliche Anschluss besonders kompliziert ist.
Steht man im Zweifel ohne Internet da?
Manche Vertreter versuchen bei Haustürgeschäften zwar, Kunden mit diesem Argument Druck zu einem Glasfaseranschluss zu drängen. Doch das Argument ist falsch. In Deutschland gibt es ein flächendeckendes DSL-Netz. Das soll zwar irgendwann tatsächlich abgeschaltet werden. Bis es so weit ist, wird es aber noch viele Jahre dauern. Und selbst dann können Kunden beispielsweise Satelliten-Internet über Anbieter wie Starlink buchen.