Ob auf dem Festnetz oder mobil: Anrufe, bei denen niemand sich meldet, ärgern viele Verbraucher. Dahinter steckt der Versucht, verifizierte Telefonlisten zu erstellen – und zu verkaufen; manchmal für kommerzielle, manchmal für betrügerische Zwecke. © Weihrauch/dpa
Auf dem Display stehen immer neue, unbekannte Telefonnummern, mal aus Düsseldorf, mal aus Mailand, mal aus Überlingen. Stumme Anrufe nennt das die Polizei. Die Anrufe sind Tests, erklärt Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern. Und dahinter verbirgt sich oft der Anfang eines versuchten Betrugs.
Wertvolles Gut für Cyberkriminelle
Die stummen Anrufe kommen von keiner Person, sondern von automatisierter Software, Autodialer genannt. Diese Programme wählen systematisch, aber völlig wahllos tausende von Telefonnummern an, rund um die Uhr, erklärt das Online-Computermagazin „Chip“. Wenn man abhebt, haben die Betrüger ihr erstes Ziel schon erreicht: Sie wissen nun, dass hinter der Telefonnummer ein echter Anschluss steckt, unter dem ein Mensch erreichbar ist. „So entsteht innerhalb kürzester Zeit eine umfangreiche Datenbank verifizierter Telefonnummern – ein wertvolles Gut in der Welt der Cyberkriminalität“, so „Chip“ weiter. Diese Information ist auch für Callcenter sehr interessant, um später gezielte Werbeanrufe abzusetzen, erklärt die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes – aber auch für Betrüger, die Phishing-Versuche oder andere Maschen planen.
Simone Bueb weiß von Fällen, wo immer wieder Anrufe aus Polen eingingen. Wurde eine Nummer gesperrt, erfolgte der nächste Anruf von einer Nummer aus, die an einer Stelle von der vorherigen abwich. Ihrer Erfahrung nach geht es bei stummen Anrufen in erster Linie darum, Daten für Werbung zu gewinnen.
Freundliche landen auf Extra-Liste
Der stumme Anruf dient auch dazu, Verhalten zu analysieren. „Wer freundlich ist und geduldig mehrmals nachfragt, landet oft auf speziellen Listen“, warnt die Polizei. Diese würden dann auf illegalen Marktplätzen im Internet weiterverkauft. Was die Käufer damit anfangen können? Der Telefonkontakt ist in vielen Fällen die Grundlage für gezielte Betrugsversuche, bei denen sich Täter als Bankmitarbeiter, Behördenvertreter oder Polizisten ausgeben. Oder sie werden für den Versand betrügerischer SMS-Nachrichten genutzt, bei denen gefälschte Links zu Schadsoftware oder manipulierten Webseiten führen.
Bester Tipp: Nicht rangehen
Hier die wichtigsten Tipps:
CORINNA MAIER