Auf der IFA 2010 waren 3D-Brillen das große Ding. Am Ende wollte dann aber kaum jemand damit daheim vor dem Fernseher sitzen. © Wolfgang Kumm/dpa
Es gab Zeiten, da saßen Familien mit klobigen Plastikbrillen auf der Couch, starrten auf flackernde Bildschirme und redeten sich ein, das sei jetzt der große Fortschritt. Schließlich war 3D-Fernsehen doch die ganz heiße Nummer auf der Elektronikmesse IFA in den Jahren 2009 und 2010. Doch so schnell der Trend ausgerufen wurde, so schnell verschwand er wieder.
Die IFA, früher Internationale Funkausstellung, die morgen in Berlin beginnt, war in ihrer Geschichte immer wieder Bühne von echten Innovationen, wie das erste elektronische Fernsehen weltweit (1931), der UKW-Rundfunk (1950), die Compact Cassette (1963), das PAL-Farbfernsehen (1967) oder die CD (1981). Die IFA war aber immer auch eine große Bühne für Flops.
■ Video 2000
Die bitterste Niederlage einer IFA-Innovation ist mit dem Namen Video 2000 verbunden. Als Philips und Grundig das System 1979 in Berlin vorstellten, wähnten sich die Europäer im Wettlauf mit Betamax von Sony und VHS von JVC/Matsushita bereits am Ziel: Kassetten, die man wie Hörspielkassetten wenden konnte, acht Stunden Laufzeit, gestochen scharfe Standbilder. Doch der Kampf entschied sich nicht durch bessere Technik, sondern in den Videotheken. JVC hatte sein VHS-System längst aggressiv lizenziert. Als Video 2000 endlich fehlerfrei lief, waren die Verleihregale voll mit VHS. Mitte der Achtzigerjahre war das System Geschichte – technisch überlegen, ökonomisch chancenlos.
Ähnlich tragisch verlief das Schicksal der Digital Compact Cassette (DCC). Philips präsentierte das Format 1991 mit einem vermeintlich cleveren Versprechen: Digitalklang auf Band, abwärtskompatibel zur analogen Kassette im Handschuhfach. Doch während Philips noch an der Mechanik feilte, stand Sonys MiniDisc schon bereit. Wenige Jahre später fegte das in Deutschland entwickelte MP3-Format das gesamte Konzept physischer Audiomedien vom Tisch.
■ 3D-Brillen
Angefeuert vom Kinoerfolg „Avatar“ rief die IFA 2010 mit der 3D-Teechnik das stereoskopische Zeitalter aus. Kein Stand ohne Shutter-Brillen, kein Prospekt ohne Tiefenwirkung. Doch für den Feierabend auf der Couch erwies sich das Konzept als Zumutung: flackernde Plastikbrillen, Kopfschmerzen und chronischer Mangel an Sendungen. Nach wenigen Jahren strichen die Hersteller die 3D-Monitore klammheimlich aus dem Programm.
Noch kürzer währte das Gastspiel der Curved TVs. 2013 und 2014 bogen die Konzerne ihre Bildschirme im Halbkreis, um ein immersives Kinogefühl zu simulieren. Das Problem: Der Effekt funktionierte exakt an einem einzigen Punkt – genau mittig vor dem Gerät. Wer auf dem Sofa danebensaß, sah ein verzerrtes Bild.
■ Ferngesteuerte Toaster
Vieles blieb Verbrauchern unheimlich, zum Beispiel einem Elektrogerät das Bestellen von Nachschub zu überlassen – sei es der Kühlschrank, der die Milch ordert, oder die Waschmaschine, die mit dem Amazon-Dashbutton Waschmittel nachbestellt. Manche IFA-Innovationen erwiesen sich auch als umständliche Frickellösungen für Freaks. Dazu gehören etwa Wasserkocher und Toaster, die über das Smartphone ferngesteuert werden. Wasser einfüllen oder die Brotscheiben einlegen musste der Nutzer ohnehin manuell an dem Gerät. Die App verlangte eine zusätzliche Einrichtung am Smartphone.