Betrug kann Vermögen kosten

von Redaktion

Zehntausende Euro können Verbraucher durch Betrug verlieren. © Smarterpix

Mehrere zehntausend Euro hat ein 80-jähriger Mann aus München Anfang des Jahres verloren, nachdem er einer Werbeanzeige im Internet gefolgt war und wiederholt Geld in eine vermeintlich lukrative Geldanlage investiert hatte. Das hat das Polizeipräsidium München mitgeteilt. Die Zahl dieser Fälle geht jedes Jahr bundesweit in die Tausende. Sie erzeugen einen Schaden, der allein im Großraum München jährlich in zweistelliger Millionenhöhe liegt. „Die Anzeigen sind hochprofessionell gestaltet“, sagt Kriminalhauptkommissar Joachim Jäntsch, zuständig für Anlagebetrug im Kommissariat 71 für Wirtschaftsdelikte beim Polizeipräsidium München. Die Verbraucherzentralen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) raten dringend zu Vorsicht.

■ Lockvögel

Wer sich im Internet über das Thema Geld informiert, erhält anschließend schnell Werbung für Geldanlagen – als Banner auf Webseiten, auf Youtube oder als Social-Media-Post auf Instagram oder Facebook. Die Unterscheidung zwischen echten und betrügerischen Anzeigen ist nicht leicht, denn betrügerische Werbung nutzt neben den Gesichtern von Prominenten häufig die Farben und Gestaltung bekannter Marken wie der Tagesschau. Auf dem typisch blauen Hintergrund und neben dem Foto eines Nachrichtensprechers stehen Versprechen wie: „Beginnen bei 250 Euro, am selben Tag 1000 Euro abheben und verdiene 28.000 Euro.“ Katharina Lawrence, Referentin Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Hessen, hat beobachtet, dass es auch Betrugsversuche mit falschen Fotos von regionalen Bekanntheiten gibt, wie jüngst mit dem Oberbürgermeister von Hanau geschehen. „Die Betrugsversuche sind näher an die Menschen herangerückt“, sagt sie.

■ Verschwörungstheorie

Hinzu kommen manchmal Hinweise aus dem Bereich der Verschwörungstheorien, weiß Jäntsch. Es werden „geheime Trading-Methoden der Reichen“ beworben oder Anlagen, von denen „Banken nicht wollen“, dass Verbraucher sie sähen. Dadurch solle dem Verbraucher der Eindruck vermittelt werden, er oder sie gehöre zu einem „inner circle“, einem Kreis der Auserwählten.

■ Perfekte Unterlagen

Ist der Kunde interessiert, erhält er Unterlagen, in denen er seine persönlichen Daten eintragen soll. „Diese sind perfekt gemacht“, sagt Lawrence. Anders als früher enthalten die Formulare keine Rechtschreibfehler. Betrug, der über Social Media oder WhatsApp beginne, könne über Monate vorbereitet werden. „Die Menschen sind vertraut in der Gruppe, und die Vorsicht ist abhanden gekommen“, sagt sie.

■ Täterkooperation

Stellt ein Interessent seine Daten zur Verfügung, hat er sich in ein System begeben, das aus mehreren Einzeltätern besteht, die meist länderübergreifend operieren. „Es sind Verbrechen, die sind industriell, generalstabsmäßig organisiert. Sie sind arbeitsteilig“, sagt Jäntsch. Eine Gruppe wirbt die Opfer an, verkauft die Daten an eine andere. Diese manipuliert die Opfer weiter. Eines ist klar: „Das Geld fließt immer direkt an den Täter“, sagt Jäntsch. Eine Geldanlage findet nicht statt. Nach der ersten Überweisung werden die Opfer am Telefon oder schriftlich zu weiteren Einzahlungen gedrängt. Sie erhalten Informationen über Gewinne auf vermeintlichen Handelsplattformen. „Diese sind lediglich virtuell und entsprechen keinen tatsächlich vorhandenen Vermögenswerten“, sagt Jäntsch. So werden die Opfer bei der Stange gehalten und zu noch mehr Einzahlungen aufgefordert. Wünscht das Opfer eine Auszahlung, werden hierfür zunächst weitere Zahlungen verlangt. Zu guter Letzt bieten neue Betrüger ihren Opfern an, verlorenes Geld zurückzuholen. Hier drohen noch höhere Verluste.

■ Umweg Liebe

Eine weitere Betrugsmasche nutzt bewusst die freundschaftlichen oder verliebten Gefühle der Anleger, um sie zu einer Geldanlage zu bewegen: das sogenannte Romance Baiting, zu deutsch: Liebesködern. Lawrenceberichtet von einer Studentin, die auf einer Dating-Plattform jemanden kennenlernte, der nach kurzem Geplänkel nach ihrem Interesse für Geldanalagen und Börse fragte. Die Studentin brach das Gespräch ab. Der Frage nach einer Geldanlage geht, so Jäntsch, oft ein monatelanger Austausch von vermeintlichen Fotos von Essen oder Urlauben voraus. Die Täter locken ihre Opfer mit der Aussage, sie seien selbst durch eine bestimmte Geldanlage reich geworden. Für das gemeinsame Leben sei es gut, wenn das Gegenüber Geld in dieselbe Anlage stecke.

Nach mehreren Verlusten wird Betrugsopfern manchmal eine hohe, „wirklich sichere“ Anlage angeboten. Wenn die Opfer zu wenig Geld haben, schießt der Betrüger Geld hinzu. Die gesamte Summe soll das Opfer an die Betrüger zurücküberweisen. Bei dem Geld handelt es sich jedoch um ergaunertes Geld. „Wer hier mitmacht, gerät unter den Anfangsverdacht der Geldwäsche“, sagt Jäntsch. Die Polizei leitet ein Verfahren ein.

■ Vorsorge

„Unrealistisch hohe, garantierte Gewinne bei kleinen Einstiegssummen sind ein Warnzeichen“, sagt Jäntsch. Unerfahrene Computernutzer gewährten Anlageberatern manchmal den Fremdzugriff auf ihren Rechner, um zum Beispiel Geld in Krypto zu investieren. Das sollte auf keinen Fall erlaubt werden. Auch sollten Anleger sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Lawrence rät, auf bekannten Finanzwebseiten, zum Beispiel bei Stiftung Warentest, nachzuschauen, um sicher zu sein, dass solche Zins-Angebote existieren oder schon davor gewarnt wird. „Sprechen Sie mit anderen, zum Beispiel mit Ihren Kindern oder Freunden über ein Angebot“, sagt sie. Außenstehende urteilten oft anders als man selbst.

Der „Fake-Check Geldanlage“ auf der Website der Verbraucherzentralen stellt konkrete Fragen zu einem Angebot, um dies einzuordnen. Der „Fake-shop-Finder“ der Verbraucherzentralen überprüft Internetadressen. Die Bafin empfiehlt, über eine Suche mit www.who.is Domains zu testen. Ein vollständiges Impressum und die Suche nach dem Sitz des Unternehmens sind ebenfalls Kriterien, die Seriosität anzeigen können.