Eine Beerdigung ist mit hohen Kosten verbunden. Viele ältere Menschen wollen ihre Angehörigen nicht belasten – und schließen teure bis unsinnige Versicherungen ab. © oliver bodmer
Eine Beerdigung kostet laut dem Versicherer Ergo im bundesweiten Durchschnitt rund 13.000 Euro. Bestattungen verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren um über 20 Prozent. Besonders ältere Menschen möchten ihrer Familie häufig diese Belastung ersparen und ihre Beisetzung vorab organisiert und bezahlt wissen. Viele schließen eine Sterbegeldversicherung ab, die im Todesfall die vereinbarte Summe – meist zwischen 3000 und 15.000 Euro – steuerfrei an die bezugsberechtigte Person auszahlt. Bei einem plötzlichen Unfalltod gibt es bei manchen Tarifen die doppelte Summe. Trotzdem rechnet sich die Police oft nicht. Worauf Verbraucher achten sollten und welche Alternativen es gibt.
■ Wer zahlen muss
Grundsätzlich sind die Erben gesetzlich verpflichtet (§ 1968 BGB), für die Bestattungskosten aufzukommen. In der Regel kümmern sich die nächsten Verwandten, Ehepartner oder Kinder, um die Beerdigung und begleichen die Rechnungen. Schlagen nahe Verwandte das Erbe aus, entfällt zwar die Kostenübernahmepflicht, um die Beisetzung müssen sie sich aber dennoch kümmern. Reicht das Vermögen des Verstorbenen nicht aus, um die Kosten zu decken, werden die nächsten Angehörigen zur Kasse gebeten – selbst, wenn alle das Erbe ausgeschlagen haben. Sind sie finanziell nicht in der Lage, die Beerdigung zu bezahlen, können sie beim Sozialamt eine Sozialbestattung beantragen. In diesem Fall übernimmt die Behörde die notwendigen Kosten.
Erben können angefallene Beerdigungskosten übrigens in der Erbschaftsteuererklärung ansetzen. Diese mindern die steuerpflichtige Erbmasse.
■ Sterbegeld
Gerade für ältere Menschen rechnet sich eine Sterbegeldversicherung häufig nicht, weil sie über die Jahre oft mehr einzahlen, als Angehörige im Todesfall erhalten. „Wer mit 60 ein Sterbegeld vereinbart und mit 90 Jahren verstirbt, bekommt teils nur 60 Prozent dessen ausgezahlt, was an Beiträgen an die Versicherung geflossen ist“, warnt Peter Grieble, Leiter der Abteilung Versicherungen, Pflege und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät, Angebote immer genau zu prüfen und durchrechnen zu lassen. Selbst wer sich mit Anfang 50 versichert, zahlt für eine garantierte Todesfallleistung von 6000 Euro monatlich zwischen 18 und über 25 Euro – und das 35 Jahre und länger. Die Assekuranz erhält damit über die gesamte Laufzeit 1560 bis über 4500 Euro an Beiträgen mehr, als die garantierte Todesfallleistung beträgt. „Für Versicherte lohnt sich die Sterbegeldpolice finanziell oft nur, wenn sie kurz nach der Wartezeit versterben. Das ist ziemlich makaber“, kritisiert Verbraucherschützer Grieble. Bei Tarifen ohne Gesundheitsprüfung gelten häufig Wartezeiten, die je nach Anbieter ein bis mehrere Jahre betragen können. Dies ist besonders für Menschen mit Vorerkrankungen wichtig. Versterben Versicherte allerdings in dieser Zeit, bekommen Angehörige oft nur die eingezahlten Beiträge zurückerstattet – abzüglich Kosten. Es gibt aber Alternativen zur Sterbegeldversicherung. Am einfachsten ist es, Angehörigen vorab Geld zukommen zu lassen oder die benötigte Summe anzusparen, damit die Beerdigungskosten gedeckt sind.
■ Treuhandkonto
Wer seine Beerdigung bezahlt wissen möchte, kann auch einen Vorsorgevertrag mit einem Bestatter abschließen und die veranschlagten Kosten für die Beisetzung hinterlegen. Der Vorteil: Es ist alles im Voraus geregelt und mit dem Bestattungsunternehmen besprochen, was es für Angehörige oft leichter macht. Verbraucher müssen aber darauf achten, dass die Summe auf ein Treuhandkonto eingezahlt wird. Denn nur in diesem Fall ist das Geld sicher und zweckgebunden.
■ Risiko-Police
Junge Menschen kommen eher selten auf die Idee, eine Sterbegeldversicherung abzuschließen. Eine finanzielle Absicherung für den Todesfall brauchen sie aber dennoch – besonders wenn Kinder zu versorgen sind, sie ein Geschäft betreiben oder die Hausfinanzierung noch läuft. „Eine Risikolebensversicherung sichert Hinterbliebene im Todesfall viel günstiger und besser ab, weil sie wesentlich höhere Beträge abdeckt“, sagt Grieble gegenüber dem Verbraucherportal biallo.de. Bei Versicherern wie unter anderem Canada Life, Debeka oder Europa Versicherung beträgt die Basisabsicherung rund 100.000 Euro. In der Premium-Variante lassen sich auch höhere Todesfallleistungen vereinbaren und – ohne erneute Gesundheitsprüfung – anpassen, sollten sich die Lebensumstände ändern. Da es sich um eine reine Risikoabsicherung und kein Sparprodukt handelt, sind die Beiträge erschwinglich.
Beispiel: Ein 32-jähriger Büroangestellter, Familienvater und Nichtraucher, bekommt die Police (Versicherungssumme: 300.000 Euro) für rund 80 Euro im Jahr. Die Europa Versicherung hat in Vergleichsportalen die Nase vorn: Die Police des Direktversicherers mit einer Laufzeit von 15 Jahren kostet unter sieben Euro im Monat – inklusive flexibler Vertragsanpassung und Vorabauszahlung, sollte beim Versicherten eine tödliche Krankheit diagnostiziert werden. Meist wird die Laufzeit so gewählt, dass der Versicherungsschutz endet, wenn die Immobilie abbezahlt ist und die Kinder finanziell auf eigenen Füßen stehen.
■ Sparen
Zudem ist es sinnvoll, regelmäßig Geld anzulegen und sich über die Jahre ein finanzielles Polster aufzubauen. Wer früh beginnt, verfügt im Alter häufig über ein ausreichend großes Vermögen, sodass sich Beerdigungskosten aus der Erbmasse bezahlen lassen. ETF-Sparpläne, die einen Aktienindex nachbilden, eignen sich besonders für den Vermögensaufbau.
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Ein mehrseitiges Dossier zum Thema gibt es kostenlos per E-Mail von: ratgeber@biallo.de.