Wenn die Inflation steigt, schlägt die Stunde der Notenbanken. Sie müssen den Geldwert stabil halten. © Florian Wiegand
Der nicht überraschende Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt hat diese Woche die politische Debatte in Deutschland bestimmt und auch international Aufmerksamkeit erregt. An den Finanzmärkten hat die Wahl jedoch fast keine Rolle gespielt. Dafür ist der Einfluss einer möglichen AfD-Landesregierung auf die deutsche und europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik zu gering. Finanzinvestoren dürften erst auf die Euro- und EU-feindlichen Parolen der AfD reagieren, wenn diese zu einem Politikwechsel der Bundesregierung führen würden. Sollte es auch in anderen Mitgliedsländern Erfolge von EU- und Euro-kritischen Parteien geben, dürfte die Nervosität an den Märkten steigen und es zu Kapitalabflüssen aus dem Euro-Raum kommen. Auslöser dafür könnten die 2027 stattfindenden Wahlen in Frankreich, Spanien und Polen sein.
Gemäß dieser Logik dürfte auch ein Sieg der AfD bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern nächste Woche kein Schocker für die Märkte sein. Sollte jedoch in Berlin eine Koalition gewählt werden, die für die Vergesellschaftung der Bestände großer Wohnungsgesellschaften plädiert, könnte dies das Vertrauen internationaler Investoren in den Standort Deutschland kurzfristig erschüttern.
Mit der Eskalation im Nahen Osten und dem Überschreiten der Marke von 100 Dollar für das Barrel Rohöl ist jedoch die Geopolitik zurück auf der Finanzmarktagenda und spielt auch bei den Zentralbanksitzungen im September eine gewichtige Rolle. Der durch höhere Energiepreise gestiegene Inflationsdruck hat die EZB diese Woche zu einem erneuten Zinsanstieg veranlasst. Nächste Woche dürften die US-Notenbank und die japanische Zentralbank folgen.
Trotz der leicht erhöhten Inflationsprognosen für die kommenden beiden Jahre sieht die EZB kaum Anzeichen für eine Preis-Lohn-Spirale im Euro-Raum. Wegen der fragilen Konjunkturaussichten und dem eingeschränkten Preisüberwälzungsspielraum der Unternehmen erwarten wir keine weiteren EZB-Zinserhöhungen. Auch die Fed dürfte es bei einem Schritt nach oben belassen. Falls dieser Schritt entgegen unserer Erwartungen nicht im September erfolgen sollte, dürfte er bis zum Jahresende nachgeholt werden. Anders sieht es in Japan aus. Neben der steigenden Inflation muss die Zentralbank auch auf den Abwertungsdruck auf den Yen reagieren. Die zuletzt gemeinsam mit den USA durchgeführte Intervention dürfte ohne zinspolitische Unterstützung verpuffen. Wir gehen daher von einer Fortsetzung moderater Zinserhöhungen der Bank of Japan im kommenden Jahr aus.