Halfing – Schöner hätte das Italienambiente nicht sein können: Liegestühle, Palmen, Sonnenblumen und Bistro-Tische mit Wein, da fühlte man sich augenblicklich in den sonnigen Süden versetzt. Intendant Ludwig Baumann kam aber vorsorglich mit Schlagbohrer, Regenmantel und Gummistiefeln unterm Arm. Bei schönem Wetter hätten die Besucher, so Baumann launig, die Stühle aus ihren Verankerungen lösen und nach draußen tragen sollen, er habe für jeden Gast einen Bohrer bereit. In Immling aber war es wenigstens während der Pause trocken, sodass man den Sonnenuntergang zumindest erahnen konnte.
Unter dem sinnigen Motto „O sole mio“ nahm das Immlinger Sängerensemble die sich an diesem Regentag nach Sonne und Wärme sehnenden Zuhörer mit auf eine Reise durch ganz Italien. In die Reithalle von Gut Immling zauberten sieben Tenöre und eine Sopranistin eine Atmosphäre voller mediterraner Lebensfreude. Witzig verkündete Baumann, dass auf der Bühne „echte italienische Sänger aus China“ auftreten und die Sopranistin aus Irland stammen würde.
Mit dem seelenvollen neapolitanischen Volkslied „Ideale“ von Francesco Paolo Tosti stimmte Tenor Santiago Sanchez die Hörer auf den bunten Opernabend ein. Voller Schmelz und Temperament sang Aliahmad Ibrahimov kraftvoll zur Gitarren- und Flötenbegleitung Tostis „Marechiare“, bevor mit dem Ohrwurm „La donna è mobile“ aus Verdis „Rigoletto“ alle Sänger gemeinsam die Zuhörer zum Mitsummen animierten. Ein schönes Timbre besaß Chuanliang Wang in „Tu ca nun chiagne“, zur quirlig perlenden Klavierbegleitung von Kamila Akhmedjanova sang Tenor Le Wang die Arie des Alfredo aus „La traviata“ von Verdi. Mit ihrem leuchtend roten Kleid und einem hellen, strahlenden Sopran berührte Rachel Croash in der Arie der Musetta.
Spaßig und charmant waren die Einlagen vom Duo Solemio, das in typischem Gondolière-Outfit nicht ohne Selbstironie rührselige Weisen zum Besten gab. Dazu bildete das Lied „L´ultima canzone“ von Tosti, das Yong Hang Xia ernst und düster zur Gehör brachte, einen wirkungsvollen Kontrast. Farbige Volkstümlichkeit strahlte das Lied „Amapola“ von José Maria Lacalle Gracia aus, das Aliahmad Ibrahimov mit Inbrunst intonierte.
Mit heldenhafter Stimme und großer Bühnenpräsenz betörte Santiago Sanchez die Herzen der Hörer in der Romanze des Enrique, Wehmut und Sehnsucht verströmte Yonghuan Ji in „Non ti scordar di me“ von Ernesto de Curtis. Toll war Maria Zhangs weittragender Tenor in Tostis „Mattinata“, von rührseligem Schmelz „Dein ist mein ganzes Herz“, der Evergreen aus Léhars „Das Land des Lächelns“, in dem man allen Sängern zusammen zuhören durfte.
Herzergreifendes Duett
Ob für das herzergreifende Duett zwischen Mimi (Rachel Croash) und Rodolfo (Mario Zhang) aus Pucchinis „La bohème“ oder das vom Balkon mit Schmelz geschmetterte Lied „Parlami d´amore Mariu“ von Cesare Andrea Bixio, in dem Aliahmad Ibrahimov und Yonghuan Ji noch einmal ihre stimmschönen Tenöre demonstrieren durften, die Zuhörer spendeten immer wieder reichlich Beifall. Am Ende gab´s, wie sollte es anders sein, das obligatorische „O sole mio“ in humoristischer Version und als stürmisch bejubelte Zugaben „Nessun dorma“ aus „Turandot“ und „Libiamo“ aus „La traviata“.