Klingende Brücke

von Redaktion

30 Jahre Ensemble Hans Berger auf Schloss Amerang

Amerang – Hans Berger zählt zu den erfolgreichsten Komponisten der bayerischen Volksmusik. Ein besonderes Anliegen des 1944 in Oberaudorf geborenen Kirchenmusikers ist dabei die Erschließung und Bearbeitung des umfangreichen „Sachranger Notenschatzes“ des „Müllner-Peter“ (1766 bis 1843). Neben seiner Tätigkeit als Müller war jener Bürgermeister, Chorleiter und Organist und wirkte zudem als Heilkundler, Geburtshelfer und Chirurg. Im Mittelpunkt der festlichen Matinee auf Schloss Amerang stand neben dem bayerischen Universalgenie auch ein berühmter Zeitgenosse aus Salzburg: Wolfgang Amadeus Mozart. Kompositionen von Hans Berger aus den letzten drei Jahrzehnten komplettierten das Programm.

Seit 30 Jahren gehören Hans Berger und seine Ensembles aus wechselnden Musikern ins Repertoire der Ameranger Schlosskonzerte. Das 30. Konzert, durch das Volksmusikexperte Bert Lindauer führte, war restlos ausverkauft. Auch die Bühne war mit dem dreizehnköpfigen Ensemble an Hackbrett, Harfe, Gitarren, Klarinetten, Hörnern, Trompeten, Viola, Violine und Kontrabass so gut besetzt, dass der Jubilar witzelte, er sei froh, noch einen freien Platz ergattert zu haben.

„Hans Berger und die Zither, ein kongeniales Duo“, schwärmte Bert Lindauer gleich zu Beginn. Los ging es mit einem Mozart’schen Concerto, gefolgt von der „Viel-Freud-Polka“ und dem „Nussbaumeck-Landler“ aus der Feder Hans Bergers. Als „Bilder fürs Ohr und für die Seele“ bezeichnete der Moderator dessen Fest- und Volksmusik. Aus der Vogelperspektive führten klingende Bilder über Berg und Tal („Bichlersee-Landler“, „Wendlstoa-Schottisch“) zurück auf den (Tanz-)Boden („Traithen-Landler“). Aus der Notensammlung des Müllner-Peter, der eigentlich Peter Huber hieß, brachten die Musiker die anonymen Stücke „Benedictus“ und „Graduale“ sowie das Machl-Haydn-Menuett zur Aufführung. Die intensive Beschäftigung des Müllner-Peters mit Heilrezepturen war es wohl, die dem belesenen Moderator eine dramaturgische Brücke bot zur Heilkraft der Musik und der daraus resultierenden herausragenden Stellung des „Homo musicus“, dem allerdings viel zu oft – irrwitzige Anekdoten belegten dies – grobe Geringschätzung entgegengebracht wurde. Der Berger Hans jedenfalls, so Lindauer, habe das Paradies verdient. Bergers Konzept, eine „klingende Brücke“ von der klassischen Musik zur Volksmusik zu bauen, ging wieder einmal voll auf. Das begeisterte Publikum wollte am liebsten nach jedem der Stücke klatschen, wurde jedoch von Hans Berger auf liebenswerte Art eingebremst, nicht zuletzt um die Gaumenfreuden im Anschluss nicht allzu weit hinauszuzögern.

Mit einem musikalischen „Ois Guade“ verabschiedete sich das Ensemble, darunter langjährige Wegbegleiter wie Birgit Sporer (Hackbrett) und Albert Ginthör (Violine), für diesen Sommer aus Amerang.

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