Meisterliche junge Talente

von Redaktion

Abschlusskonzert von Schellenbergers Meisterklasse Oboe in Sachrang

Aschau – Professor Hansjörg Schellenberger konnte auch dieses Jahr wieder viele Nachwuchs-Oboeisten im Abschlusskonzert seiner Meisterklasse in der Sachranger Pfarrkirche St. Michael vorstellen. Es war eine Lust, den jungen Oboeisten, darunter auch viele junge Frauen, zuzuhören.

Luisa Hülsmann, Studentin in Frankfurt, machte dem Kompliment ihres Lehrmeisters Schellenberger alle Ehre, er hatte sie vorab als „sehr weit fortgeschritten“ angekündigt. Ausdrucksstark das Grave auskostend, im Vivace dann lupenrein schnell und dennoch akzentuiert: Die Sonate in e-Moll von Telemann (1681 bis 1767) war Barock in Reinkultur. Am Cembalo saß Katja Khodos, die nicht nur Luisa Hülsmann, sondern auch die zwei Vivaldi-Stücke und eine Bach-Sonate im Verlauf des weiteren Programms souverän begleitete.

Der erst elfjährige Carlo Cesareggio aus Italien gab sein Debüt in Sachrang: Ein Wunderkind, mag mancher sagen, viel zu jung, manch anderer. Jedenfalls trug der Bub das Adagio aus dem Konzert in C-Dur für Oboe von Vivaldi (1678 bis 1741) – trotz anfänglicher Nervosität – lustvoll-barock vor. Opernarien von Mozart spielte er dann zusammen mit dem Hongkonger Jungstudenten Matthew Chin. Meisterlich klangen das „La ci darem la mano“ aus „Don Giovanni“ und „Wie schön ist doch…“ aus der „Zauberflöte“.

Ludwig van Beethovens anspruchsvolles Trio in C-Dur für zwei Oboen und Englischhorn war dann ein weiterer Höhepunkt. Studentin Alina Eryilmaz aus Österreich übernahm hier souverän die ganze Sonate für das Englischhorn, während die Oboenstimmen auf vier Spieler verteilt wurden. Die beiden Studentinnen Luisa Hülsmann und Doris Iorga aus Rumänien waren im Allegro und im Andante Ausführende und kosteten den modulatorischen Reichtum im Allegro voll aus. Dem Scherzo des Menuetts sowie dem Presto-Finale wurden Inma Veses Gil (Jungstudentin aus Spanien) und Cosimo Conti (Student aus Italien) gerecht.

Der spanische Student Carlos Jose Andreas Garcia trug die Sonate in c-Moll für Oboe und Cembalo von Vivaldi (1678 bis 1741) vor. Hochkonzentriert, dennoch scheinbar mit Leichtigkeit meisterte er die Verzierungen, Läufe und Tempo im atemberaubenden finalen Allegro. Schalmeienhaft und lockend erklang die Oboe bei den „lettre d’amour“ vom Dorati (1906 bis 1988), gespielt von Lucas Martinez. Cosimo Conti stellte sich dann dem Allegro aus der Sonate in g-Moll von Bach (1685 bis 1750), einem schnellen, an Läufen reichen Satz, den Conti trotz sichtlichem Lampenfieber gut bewältigte. Doris Iardi ließ im Adagio-Satz barock-lustvoll und mit klarem Klang wieder die nötige Ruhe einkehren. Alba Moreno aus Spanien, die derzeit in China studiert, bot das poco adagio aus der Sonate in a-Moll für Oboe solo von Carl Philip Emanuel Bach (1714 bis 1788) dar.

Das herausfordernde Stück ist ein Meisterwerk mit kapriolenhaften Sprüngen und Echo-Effekten präsentiert, das Moreno scheinbar mühelos lächelnd. Inma Veses Gil stach mit der „Allemande“ aus der partita BWV 1013 in g-Moll von Bach heraus, glänzend, strahlend trotz der aberwitzigen Herausforderungen.

Telemanns kanonische Sonate Nr. 3 in D für zwei Oboen bliesen mühelos Lucas Martinez und Carlos Jose Andres Garcia wie ein eingespieltes Duo. Das konnte, das musste Lehrer Schellenberger toppen: Zusammen mit seinem ehemaligen Meisterschüler, jetzt selbst Oboeist und Lehrmeister, Paolo Grazia aus Italien, bot er als finale Überraschung „Shepherd of the provence“ für Oboe und Englischhorn von Eugene Bozza (1905 bis 1991). Mit dem „Morgengruß“ und dem „Fest der Dorfbewohner“ woben die beiden einen Klangteppich, der bildhaft ein französisches Dorf in die barocke Sachranger Pfarrkirche versetzte.

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