Kunstvolle Klangbilder

von Redaktion

Professor Lüpertz und die Band TTT mit Free Jazz im Kesselhaus Kolbermoor

Kolbermoor –Viele Künstler sind nicht nur ein-, sondern mehrdimensional ausgerichtet und in verschiedenen Kunstformen aktiv. Es gibt singende Schauspieler wie Ulrich Tukur oder Axel Prahl, malende Schauspieler wie Armin Mueller-Stahl oder auch malende Musiker wie Udo Lindenberg. Es sind Multitalente, die über ihren eigentlichen Schaffensbereich hinausblicken. Der ausgebildete Bildhauer Günter Grass wurde Literaturnobelpreisträger, Regisseur Woody Allen spielt Klarinette – der Beispiele sind viele. Solche Grenzgänger zwischen bildender Kunst und Musik gibt es in der Formation „TTT“, die inzwischen zum vierten Mal in Kolbermoor mit ihrem Free Jazz gastierte. TTT ist die „verbale Abstraktion einer improvisierten Musik, deren Struktur durch konzentriertes Entstehenlassen grooviger Rhythmik und frei improvisierter Melodieführung eines oder vieler solistischer Instrumente“ – so Bandgründer Frank Wollny auf seiner Website. Im Rahmen der Sommermalkurse der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor luden Professor Dr. Markus Lüpertz und seine Freunde von TTT – wohlgemerkt bei freiem Eintritt – ein zu kunstvollen Klangbildern. Die Band existiert seit vielen Jahren in wechselnden Besetzungen und sie spielt auf Festivals und zu allen möglichen Anlässen. Auch der eingangs erwähnte Udo Lindenberg durfte schon mitwirken. Der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz zählt in Deutschland mit seinem umfangreichen und oft provokativen Schaffen zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart.

Im zahlreich erschienenen, fein und edel-lässig gewandeten Publikum fanden sich vor allem viele Teilnehmerinnen der Akademiekurse. Die Band begann mit einem überraschenden Intro des Kunstmalers Christian Attersee an Piano und Gesang, auf das die anderen Musiker nach und nach einstiegen, noch reichlich dissonant und auch für jazzerprobte Ohren verquer. Der zweite Ansatz entwickelte sich als eine rhythmisch pulsierende Nummer mit schweißtreibendem, reizvollen Dschungelsound. Reihum gelangen der Band prägnante, kurze Soli: Gerd Dudek am Saxofon, Manfred Schoof an der Trompete und Wolfgang Lackerschmid am Vibrafon setzten ihre teils melodischen, teils schrägen Akzente.

Längst hatte auch Professor Markus Lüpertz am Piano Platz genommen, der bestens gelaunt und mit vollem Körpereinsatz im mittleren Bereich der Tastatur engagiert dilettierte. Im Gegensatz zum Auftritt des Vorjahres hielten erfreulicherweise viele Gäste durch und hörten sich das zweite Set komplett an, auch wenn bei manchen im Publikum die musikalische Anfangseuphorie bereits einem ungläubigen Erstaunen gewichen war.

Federleichte Sommeratmosphäre

Die Band verbreitete nun eine federleichte Sommeratmosphäre mit einer Art „Gardenparty“ in den Klangmustern. Griffige Bläsersätze und deutlich mehr Struktur als vor der Pause ließen einige Hörer sogar ein wenig mittanzen und -swingen. An der Basis hörte man zunehmend Wollnys bebenden, wummernden E-Bass heraus, fein darüber flog Lackerschmid an seinem „schwebenden“ Vibrafon. Ein feierliches Trompetenintro vom aus New York eingetroffenen Gastmusiker Ryan Carniaux leitete die Schlusspassage ein, die sich schön ruhig wie ein langer Faden durch das alte Spinnereigelände zog.

Ein ungewöhnliches Fee-Jazz-Konzert mit tollen Musikern und kunstvollen Klangbildern.

Artikel 5 von 7