Beim dritten Anlauf im heißen Saal

von Redaktion

Ensemble Theaterinsel spielt Carlo Goldonis Komödie „Mirandolina“

Rosenheim – Beim dritten Anlauf klappte es, und die Premiere der Komödie „Mirandolina“ von Carlo Goldoni konnte stattfinden. Nach Verschiebung und dann einer Absage wegen Krankheit stand der Aufführung nichts mehr im Wege. Es hätte ein wunderschönes Sommertheater im Freibad Rosenheim werden können, doch das Ensemble der Theaterinsel verlegte es zur Enttäuschung der Besucher ins Innere der Theaterinsel: Man befürchtete ein Gewitter, das aber nicht kam. So herrschten im Freien noch nach Ende des Stückes um 23.30 Uhr erträgliche 25 Grad, im Theatersaal aber gefühlt mehr als 30 Grad: für das Publikum wie für die Schauspieler eine echte Herausforderung.

Zwar spielt die Geschichte in einem florentinischen Gasthof, doch den Hintergrund zieren zwei große Bühnenbilder mit attraktiven Motiven von Venedig. In der Komödie in drei Akten zeichnete der Regisseur Toni Müller bewusst die verschiedenen Charaktere der Verehrer einer charmanten Witwe köstlich überzogen. Miriam Brodschelm als Protagonisten kann in schauspielerischer Vielfalt alle die Talente einer so klugen wie verführerischen Frau aufzeigen. Luca Kronast-Reichert als Marchese mit Adelstick in glänzend weinrotem Jackett darf gockeln und schmeicheln, arrogant und dann wieder ängstlich sein, streitsüchtig und aufbrausend wie auch überschwänglich und habgierig. Verehrer Nummer zwei, Sebastian Velling im blau schimmernden Wams als protzender Comte, stellt gekonnt das Gebaren eines superreichen Angebers zur Schau. Er versucht, Mirandolina mit Geschenken zu beeindrucken und reizt damit seinen Nebenbuhler zur Weißglut.

Alexander Rathmacher hat sichtlich Gefallen an seiner Rolle des Cavaliere, eines Frauenhassers, der alles Weibliche aus seinem Leben verbannt hat. Sein abweisendes Verhalten Mirandolina gegenüber setzt nun bei ihr alle Künste ihrer Verführung frei, und Miriam Brodschelm treibt ihr Spiel mit dem Hagestolz mit allen Regeln eines raffinierten Frauenzimmers, ist zurückhaltend, wo es ihr angebracht scheint, kess und keck ein andermal, wahrheitsliebend und dann wieder trickreich und gewitzt.

Emanzipierte Frau

Goldoni hat schon vor 300 Jahren eine emanzipierte Frau, die alles erreicht, was sie will, zur Protagonistin dieses Stückes gemacht. Weise Ansichten über Männer und Frauen und ihre Beziehungen zueinander hat er ihr in den Mund gelegt. Höchst vergnügliche Komik bringen Olivia Renart und Katharina Reuter als die Schauspielerinnen Ortensia und Deianira bunt kostümiert und mit anschaulichster Körpersprache und Mimik ins Spiel.

Agostino Vecchio gibt einen wuselig beflissenen Diener und Stefan Höhn den noch etwas ungeschliffenen, aber rechtschaffenen Hausangestellten Fabrizio. Requisiten bedarf es kaum und bei einem hitzigen Scheinduell genügen zwei Spazierstöcke als Waffen.

Für das dreistündige Theater im heißen Innenraum hätte man sich manche Kürzung gewünscht. Bei einem Spiel im Freien aber kann man es sicher genießen.

Zum Inhalt

Carlo Goldonis Komödie „Mirandolina“, im Original „la Locandiera“ („Die Gasthausbesitzerin“), wurde 1751 in Venedig uraufgeführt. Goldoni erzählt die witzige Geschichte der hübschen und klugen Witwe Mirandolina, Besitzerin eines Gasthofs in Florenz. Die charmante Wirtin wird heftig umworben von einem heruntergekommenen Marquis und einem reichen, prahlerischen Grafen. Nur ein Cavaliere, Hagestolz aus Prinzip, glaubt sich ihren Reizen entziehen zu können, was Mirandolina herausfordert, ihn mit allen Künsten ihrer weiblichen Raffinesse zu Fall zu bringen. Als sie ihr Ziel erreicht hat, reicht sie ihre Hand einem ganz anderen, der ihren Interessen am meisten dient. Mit „Mirandolina“ hatte sich Goldoni von der Tradition der Commedia dell`arte gelöst und eine Charakterkomödie geschaffen. Damals wie heute gilt sie als eines seiner besten, wirksamsten Stücke.

Weitere Aufführungen und Karten

Weitere Aufführungen sind von Freitag bis Samstag, 11., 12., 13. August, jeweils um 20.30 Uhr im Freibad Rosenheim, bei schlechtem Wetter in der Theaterinsel Rosenheim. Karten gibt es im Vorverkauf in der Rosenheimer Buchhandlung Beer, Heilig-Geist-Straße. Vorbestellung unter der Telefonnummer 08031/9008203.

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