„Finale Grande“:Werbung für die Klassik

von Redaktion

Musik bringt Menschen zusammen. Dies bewies einmal mehr das „Grande Finale“ bei den Immlinger Festspielen. Es ist mittlerweile wie ein Treffen unter Freunden. Der Schlusspunkt der Saison ist bei vielen Festivalbesuchern ein Fixpunkt im Kalender sowie bei Sängern und Musikern ein feierlicher Schlussakkord der Spielzeit.

Halfing – Wenn Menschen auf dem Nachhauseweg „Dein ist mein ganzes Herz“ leise anstimmen oder die Melodie von „La donna è mobile aus Verdis „Rigoletto“ vor sich hin summen – dann ist das Werbung für klassische Musik, die Immlinger Festspiele und das „Grande Finale“.

Als „Best of“ bezeichnete Intendant Ludwig Baumann die Veranstaltung. Er überließ seiner Frau, Cornelia von Kerssenbrock (musikalische Leitung), dem Festivalchor und -orchester sowie den Solisten rasch wieder die Bühne. Dabei eroberten Bariton Carlo Checchi und Modestas Sedlevicius (Bass) das Festspielhaus aus den Zuschauerreihen. Mit Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ ernteten die beiden erste Bravo-Rufe. Es war schon ersichtlich, mit welcher Spielfreude die Akteure ans Werk gingen.

Bekannte Gesichter in Immling sind Aliahmad Ibrahimov und Mario Zhang. Die beiden Tenöre begeistern die Zuhörer seit Jahren mit ihrer Stimmgewalt und ihrer feinen, teils charmanten, Interaktion mit Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock. Da verwundert es nicht, dass die „Hausherrin“ selbst den beiden für ihre Darbietungen – unter anderem mit „Cielo e mar“ aus „La Gioconda“, „Pourquoi me réveiller“ aus Massenets „Werther“ und aus weiteren Verdi-Opern Applaus spendete.

In welcher Kombination auch immer die Solisten auftraten, die harmonischen und miteinander harmonierenden Stimmen fielen auf. Besonders kam dies bei Offenbachs „Belle nuit, o nuit d’amour“, interpretiert von Rachel Croash, Nino Jachvadze, Dai Jrong, Weiyi Lu, Natia Melkadze und Valeria Sharovatova zur Geltung.

Gerade die leisen, gefühlvollen Passagen zeichneten den Abend über das Festivalorchester aus. Dieses stellte seine Qualitäten unter Beweis – gleich unter welcher Leitung, ob unter von Kerssenbrocks, Franziska Kubas, Archil Ushveridze oder unter Mikheil Edisherashvilis.

Klar und mit Passion interpretierte Wanyue Song die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte, ebenso wie Mayrna Zubko ihre Arie der Norma. Dai Jarong verwandelte sich in Haltung und Koketterie in Bizets Carmen. Sie unterstrich ihre Darbietung mit flamencoartigen Schritten mit dem Schuhabsatz. Passend dazu buhlte da Sergio Foresti als Torero um ihre Gunst. Alia Ibrahimov beeindruckte einmal mehr mit „Amor ti vieta“ aus Giordano „Fedora“. Er bildete eine beeindruckende Symbiose mit dem Orchester.

Ein Klassiker nach dem anderen erklang: Chuanliang Wang brillierte mit Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“. „I could have danced all“ aus „My fair Lady“ sang Rachel Corash. Die legendäre Eliza Dolittle kaufte man ihr aber nicht ab. Wohingegen „I feel pretty“ aus der West Side Story für Elisa Cenni, Siyu Kang, Zhiyun Liu und Weiyi Lu ein Glanzpunkt war.

Emanula Torresi ließ in der Arie der Magda Dorettas Traum aus der Puccinis „La rondine“ erklingen. Bravo-Rufe und lang anhaltender Applaus belohnten die Sänger und Musiker am Ende. Dabei war „Nessun Dorma“ – gesungen von den drei Tenören – eine gefühlvolle Stimmgewalt. Mit dem Paradestück, dem Gefangenenchor aus „Nabucco“, verabschiedete sich der Festivalchor. Mitklatschen hieß es dann bei „La Traviata“ von Verdi. Cornelia von Kerssenbrocks humoristische Interaktionen mit dem Publikum und den Akteuren – eingestreut zwischen und in den Darbietungen – sind dabei das i-Tüpfelchen.

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