Hier müssen die Sänger nicht kämpfen

von Redaktion

„Der Barbier von Sevilla“ als „Oper im Taschenbuchformat“ beim Kammermusikfestival „Festivo“

Aschau – Selten zu hörende Klänge gab es beim Kammermusikfestival „Festivo“ in der Festhalle Hohenaschau. Ein Streichquartett, ein Akkordeon und vier Sänger führten eine „Oper im Taschenbuchformat“ auf. Rossinis Opera buffa „Der Barbier von Sevilla“ profitierte davon, dass kein schwerfälliges großes Opernorchester, sondern ein extrem lebendiges und bewegliches Kammermusik-Ensemble den Sängern einen komfortablen und nuancierten Klang-Teppich bot. Es ist immer wieder schön, eine der seltenen Opernaufführungen zu erleben, in der die Sänger nicht gegen ein großes Orchester ankämpfen müssen. So unangestrengt hört man Opernsänger nicht alle Tage.

Die Szene eröffnete der Bass Marcus Weishar, der sowohl als Fiorello, Don Basilio und Bartolo eine enorme Spannweite an Emotionen darstellte, von ungefilterter Griesgrämigkeit, gezeigtem oder unterdrücktem Ärger, bis zu siegessicherer guter Laune. Seine Stimme strahlte sowohl bei den Solo-Arien als auch in den Ensemble-Szenen sogar in tiefer Lage, wenn auch im Italienischen mit leichtem deutschen Akzent.

Graf Almaviva muss sich in der turbulenten Handlung mehrfach verkleiden und als andere Person ausgeben, um sein Ziel zu erreichen. Kein Problem für den spielfreudigen und wandlungsfähigen Tenor Adam Sanchez. Als Graf fand er die jeweils richtige Klangfarbe genauso überzeugend, wie in der Gestalt des verliebten Lindoro und als falscher Musiklehrer. In der Verkleidungs-Szene als betrunkener Soldat wäre noch ein bisschen mehr Ausgelassenheit wünschenswert gewesen. Beeindruckend, wie glänzend und entspannt die hohen Töne klangen.

Als Sunnyboy der Inszenierung ist der Graf nicht konkurrenzlos: „Der Barbier“ ist für einen Bariton eine Schokoladenrolle, in der das ganze Spektrum sängerischer Qualitäten zu zeigen ist. Thomas Schütz meisterte die Virtuosität mit Bravour, und gewann das Publikum mit enormer Bühnenpräsenz und guter Laune.

Die kurzfristig eingesprungene Katarina Morfa fühlte sich in der Rolle der Rosina offensichtlich wohl. Erstaunlich, wie souverän sie nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch wirkte – von Nervosität wegen der kurzen szenischen Probenzeit war nichts zu hören oder zu sehen.

Giacomo Scaramuzzas Kammermusik-Bearbeitung war so abwechslungsreich arrangiert und gespielt, dass auch Rossini sicher gute Laune gehabt hätte. In besonderer Erinnerung bleibt wohl die Gewitter-Szene, die von den einzelnen Regentropfen bis zu den Blitzen auch ohne die Effekte eines großen Opernorchesters gut nachvollziehbar war.

Johannes Erkes glänzte als Conferencier mit unterhaltsamen und kenntnisreichen Moderationen, außerdem führte er das Ensemble mit enormer Verve und stilsicherem musikalischen Gespür durch die hochvirtuose Partitur.

Zum Schluss gab es großen Jubel in der restlos ausverkauften Festhalle.

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