Herrenchiemsee – Auch heuer wieder haben die Herrenchiemsee-Festspiele mit einem Geschenk geendet: Der Festspiel-Intendant Enoch zu Guttenberg hatte zum Abschluss die umliegenden Chiemsee-Gemeinden, die ja über die Umwegrentabilität auch von diesen Festspielen profitieren, zu einem Konzert eingeladen. Diese hatten die Karten an ehrenamtliche Helfer, aber auch an Menschen mit Handicap oder an sozial Benachteiligte in ihren Gemeinden weitergegeben. Aufgeführt wurden Bachs Magnificat und Mozarts c-Moll-Messe, Guttenberg dirigierte „seine“ Chorgemeinschaft Neubeuern und „sein“ Orchester „Klangverwaltung“. Das Festspiel-Ende wurde so zu einem ganz persönlichen und regionalen Fest.
Auch heuer wieder waren die Festspiele sowohl ein künstlerischer als auch geschäftlicher Erfolg. Die Konzerte waren insgesamt bis zu 90 Prozent ausgelastet. Der Vorverkauf hatte ja schon im Dezember letzten Jahres begonnen und war sofort gut gelaufen. So gut, dass zum Beispiel für das Konzert mit dem Weltklasse-Geiger Giuliano Carmignola die Karten so schnell weg waren, dass ein Konzertbesucher beklagte, Ende Dezember nur noch für die 49. Reihe eine Karte ergattert zu haben. Auch das Kammerkonzert im unvollendeten Treppenhaus mit dem Minquet-Quartett und streng-fordernder Kammermusik von Bach und Beethoven hatte großen Zuspruch gefunden.
Die Herrenchiemsee-Festspiele werden von Beginn an gelobt für ihre kreative und stringente Programmgestaltung. Das heurige Motto „Von Gott und Göttern – barocke Wege“ war äußerst fantasievoll umgesetzt. Besonders eindrucksvoll war schon die zweimal aufgeführte Bach’sche Johannespassion auf Frauenchiemsee, Bach heiter zu erleben war dann ein besonderes Vergnügen in weltlichen Kantaten mit griechischen Göttergeschichten. Anrührend war der Monteverdi-Abend mit Vater und Sohn Prégardien, bezaubernd waren der Barock-Arien-Abend mit der Sopranistin Nuria Rial sowie das Konzert mit Juli Lezhneva und dem Countertenor Max Emanuel Cencic. Gewaltig war Bruckners 8. Symphonie, gespielt von den Sofia Symphonics unter Ljubka Biagioni, erschütternd war die c-Moll-Messe, die Enoch zu Guttenberg mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Orchester Klang-Verwaltung aufgeführt hatte.
Seit heuer sind die Herrenchiemsee-Festspiele auch bei Facebook zu verfolgen. Schwierig ist weiterhin die Suche nach Sponsoren. Josef Kröner, Zweiter Konzertmeister in der Klang-Verwaltung und seit März geschäftsführender Programmdirektor der Festspiele, ist für das nächste Jahr, wie er sagt , „leicht optimistisch“: Die Festspiele 2018 sind jedenfalls geplant und sollen vom 17. bis 29. Juli stattfinden. Der Vorverkauf beginnt Anfang Dezember dieses Jahres. Wer also nicht in der 49. Reihe sitzen möchte, sollte sich dann sputen.