Hart und Hartsee

von Redaktion

Wie es sich unlängst durch einen sommerlichen Ausflug zum Hartsee bei Eggstätt nachweisen ließ, ist das Wasser des Hartsees alles andere als „hart“. Insofern können wir die Sichtweise des Namenforschers Hans Bahlow nachvollziehen, der in seinem Werk „Deutschlands geographische Namenwelt“ mit Vehemenz und Ironie die Ansicht zurückweist, die norddeutschen Flüsse Hartmecke und Hartlage führten „hartes“ Wasser. Aber können wir auch Bahlows Erklärung folgen, wonach „Hart“ ein Wasserwort sei und „moorig-schmutziges Wasser“ bedeute?

Wenn wir vom Wasserzustand des Hartsees von heute ausgehen, dann kann keinesfalls von „moorig-schmutzig“ die Rede sein. Der Hartsee, bairisch „Hartsää“ (nicht: „Haschdsää“) hat bei der letzten Wassermessung im Jahre 2011 die Note „ausgezeichnet“ erhalten!

Schauen wir daher lieber auf andere Hart-Bezeichnungen in unserer Region.

In Richtung Bad Endorf befindet sich Schloss Hartmannsberg. Dessen Name leitet sich vom Personennamen „Hadamar“ ab, der das Grundwort „Berg“ näher bestimmt. Diese Erklärung scheidet für den Hartsee daher aus.

Weiter südlich, innaufwärts, erscheint „Hart“ im Namen des Dorfes Reischenhart, das oberhalb von Raubling liegt. Reischenhart ist 1160 als „Riskinhart“ belegt. Das Grundwort bedeutet, so der Namensforscher Josef Bernrieder, „Weide, Weidetrift, Wald, meist Wald, der zur Weide dient“. Riskinhart heißt demnach: Waldweide des Riskin.

Diese Herleitung würde nach unserer Einschätzung bestens zum Hartsee passen! Der Hartsee ist umgeben von einer stark bewaldeten wunderschönen Erholungslandschaft, in und an der sich zwar nicht so sehr Tiere, aber umso mehr die vielen Badegäste weiden, und dies auch im Wald, zumindest im leicht erhöhten Waldrand, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen.

Ein Rest an Skepsis für die Namenserklärung „See am Wald“ bleibt aber bestehen, da nicht nachzuweisen ist, ob der Bereich um den See herum auch offiziell „Hart“ heißt. Der Begriff „Hart“ kann in unseren Bereichen ja durchaus für sich selber stehen, wie im Falle von Hart bei Hochstätt oder von Hart bei Wasserburg. Das letztere Hart ist sogar durch ein Schloss bekannt: Schloss Hart. Trotzdem: Wir bleiben bei der Erklärung „Wald-See“, auch ohne einen offiziellen Flurnamen.

Der mittelhochdeutsche (1050 bis 1350) Begriff „hart“ für „Bergwald, waldiger Höhenzug, lichter Weidewald“ (Adolf Bach) ist auch durch den norddeutschen „Harz“, der vor 781 noch „Hart“ hieß, bekannt, in Süddeutschland aber vor allem durch den „Spessart“. Denn dieser bewaldete Höhenzug hieß früher „Spehteshart“, Spechts-Hart!

Aber das letzte Wort gebührt dem Bürgermeister der Gemeinde Eggstätt. Hans Schartner erklärt: Zum Kühlen der Bierfässer im ehemaligen „Gasthof zur Post“ habe man früher aus dem Hartsee „hartes“ Eis herausgeschlagen – von daher möglicherweise der Name dieses Sees im Waldgebiet. Bassad aa guad, Burgamoasda! Aber schdimma duat’s net!

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