Tröpfchenmusik und Tafelspitzsülzerl

von Redaktion

Die Festivo-Festival-Strings konzertierten zum Menü in der Schlossbergalm Hohenaschau

Aschau – Dass die Schlossbergalm Hohenaschau nur wenige Meter neben dem Parkplatz und der Festhalle liegt, war bei diesem Wetter für die Besucher des Festivo-Konzertes ein großer Vorteil. Unter Hirschgeweihen, ausgestopften Auerhühnern und historischen Küchenutensilien fand in fast familiärem Rahmen das sogenannte „Almrausch-Konzert“ statt, bei dem zum ersten Mal Nachwuchstalente der Festivo-Festival-Strings mitwirkten. Zwischen kammermusikalischen Werken von Mozart, Holliger und Mendelssohn durfte man sich an kulinarischen Genüssen erfreuen, die den Abend zu einem sinnlichen Gesamtkunstwerk machten.

Intimer

„Almrausch“

Frohgelaunt begrüßte Festspielinitiator und Bratschist Johannes Erkes die vielen Gäste, die bunt verstreut an rustikalen, festlich gedeckten Holztischen Platz genommen hatten: „Der Almrausch ist das intimste Festivo-Format, das wir anbieten.“ Stolz präsentierte Erkes Danilo Marchello, der unter Riccardo Muti erster Hornist an der Mailänder Scala war und seit der Gründung des Festivo vor 25 Jahren mit dabei sei. Mit Blick auf den zeitgenössischen Schweizer Komponisten Heinz Holliger vermutete Erkes: „Da haben einige von Ihnen schon Angst“. Die war aber völlig überflüssig, denn bei Holligers „Duölis“ handele es sich, wie Geigerin Muriel Cantoreggi sachkundig erläuterte, um wunderbare musikalische Miniaturen voller Fantasie, Leichtigkeit und Humor.

Doch zunächst begann das Festivo-Ensemble mit dem selten aufgeführten Hornquintett KV 407 von Mozart, in dem Danilo Marchello seine große Virtuosität unter Beweis stellte. Das heitere Allegro, das Andante mit seinen innig-ruhigen, vom sonoren Klang des Horns dominierten Passagen, schließlich das tänzerisch vergnügte Rondo Allegro, das von einem typischen Hornruf eingeleitet wird, spielten die Musiker mit Freude und Schwung. Schön anzuhören war das häufige dialogische Wechselspiel zwischen Violine und Horn, aber auch das harmonische Miteinander der Streicher.

Nach „hausgemachtem Tafelspitzsülzerl mit Radieserl-Vinaigrette auf Frisee“, einer nicht nur für den Gaumen, sondern auch für das Ohr kunstvoll komponierten Vorspeise, erklangen einige der 24 „Duölis“ von Heinz Holliger, bei denen die Nachwuchstalente der Festivo-Festival-Strings glänzten. Die kurzen, jeweils für zwei Violinen komponierten Stücke erzeugten gänzlich unterschiedliche Stimmungen. Mal rhythmisch fremdartig wie im „Indianertanz“, mal schräg und jaulend in „Warum so traurig?“, dann mit rasend schnellen Violinläufen in „Fang mich doch!“, beeindruckten und belustigten die Streicher das Publikum durch ein technisch perfektes, seltsam skurril wirkendes Spiel. Zarte Pizzicati in der „Tröpfchenmusik“ kontrastierten zu dem Stück „Zwei Legoklötzchen, die nicht ganz zusammenpassen“, bei dem die Geiger ihre Instrumente mit den Bögen zu schrubben schienen. Für Gelächter sorgte das „Vogelkonzert in der Morgendämmerung“, als es im Raum zunächst ganz dunkel wurde und kläglich fiepende Geräusche zu vernehmen waren.

Die etwas lang geratene Darbietung von Holligers Musikspäßen erforderte natürlich eine kulinarische Stärkung. Als Hauptgericht wurde ein zart rosa gebratenes Roastbeef mit Rosmarinjus, Kartoffelkücherl und Zuckerschoten kredenzt, das hervorragend mundete.

Blitz, Donner und Begeisterungsstürme

Zu fortgeschrittener Stunde – draußen zuckten Blitze und es donnerte – wurde das Publikum vom letzten Werk des Abends, dem Oktett in Es-Dur op. 20 des erst 16-jährigen Mendelssohn zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Die kompakte Achtstimmigkeit erzeugte gleich im ersten Satz eine sinfonische Wucht und Dynamik, die den Hörer fesselte. Mit großer Ausdruckskraft und feurigem Temperament brachten die Festivo-Festival-Strings Mendelssohn zum Erklingen. Das Scherzo erinnerte ein wenig an die Musik aus dem „Sommernachtstraum“, das Finale, an dessen Ende Sirenengeheul einsetzte, wirkte in seiner atemlosen Rasanz wie ein Perpetuum mobile.

Da kam danach das schmackhafte Panna cotta mit Himbeermark gerade rechtzeitig, um die aufgewühlten Gemüter der Hörer wieder ein wenig abzukühlen.

Artikel 5 von 6