Amerang – „Das war das erste Mal, dass ich bei Schubert-Liedern nicht eingeschlafen bin“, freute sich ein Besucher nach dem Konzert der Musicbanda Franui im Arkadenhof von Schloss Amerang. Frisch und heutig, zuweilen jazzig und dennoch immer noch unverkennbar Schubert – mit Sicherheit haben die wenigsten den berühmten Komponisten je so gehört.
Ein Hackbrett anstelle des Klaviers – funktioniert das? Aber ja! Bettina Rainer führte es in „Abschied (über die Berge)“ eindrucksvoll vor Augen. In ihrer eigenwilligen Musik denken und spielen Franui Stücke von Johannes Brahms, Gustav Mahler und Franz Schubert weiter, interpretieren sie auf den Instrumenten einer Volksmusikkapelle. Zu Mahler gibt es dabei eine spezielle Verbindung: Der Österreicher komponierte seine letzten Werke in Toblach, also ganz in der Nähe von Innervillgraten, dem kleinen Dorf in Osttirol, aus dem der größte Teil der Musiker stammt und wo Franui – der Name leitet sich von einer dortigen Almwiese ab – im Jahr 1993 gegründet wurde.
Schuberts „Der Wanderer an den Mond“ offenbarte gleich zu Beginn des Konzerts das Spektrum der Franui-typischen Bearbeitung: Zuerst ertönten die Bläser – Andreas Schett, Markus Rainer (Trompeten), Martin Senfter (Posaune), Andreas Fuetsch (Tuba), dann folgten die Saiteninstrumente – Nikolai Tunkowitsch (Violine), Markus Kraler (Kontrabass), Angelika Rainer (Harfe), Bettina Rainer (Hackbrett). Schließlich gesellten sich auch Klarinette (Johannes Eder) und Saxofon (Romed Hopfgartner) dazu und alles mündete in ein fröhliches Durcheinander. Die Klarinette erweckte Assoziationen mit Klezmer und Zigeunermusik, das Alt-Saxofon sorgte für den jazzigen Sound. Die Tuba setzte Volksmusikakzente. Nein, in eine musikalische Schublade stecken lassen sich Franui nicht. Die Musiker nutzen vielmehr den Freiraum zwischen den Genres.
„Früher haben wir uns Gedanken gemacht, heute nimmer“ – mit diesen Worten eröffnet Andreas Schett, musikalischer Leiter des Ensembles, das Konzert. Nicht nur in Amerang, sondern generell. Ein weiteres Lieblingszitat des Trompeters lautet: „Der Tod war immer schon lustiger, als man es wahrhaben wollte und trauriger, als man es zuließ.“ In dem 1402 Meter über dem Meer gelegenen Innervillgraten heißt der Friedhof in der Mundart „Freidhof“ – vielleicht erklärt das den humorvollen Umgang der Musiker mit dem Thema Tod. Fröhlich stimmten sie Schuberts „Totengräberlied“ an, deren erste Strophe lautet: „Grabe Spaten, grabe. Alles was ich habe danke ich Spaten dir. Reich‘ und arme Leute werden meine Beute. Kommen einst zu mir, kommen einst zu mir.“
Angefangen hätten sie einst als Trauermarschkapelle. Dann stellten sie fest, dass Schubert, Mahler oder auch Chopin manch eine ihrer Melodien aus dem Trauermarschbuch der Landkapellen „gestohlen“ haben – und stehlen sie zurück. Mit lakonischem Witz führte Andreas Schett durch das Programm, erzählte aus der Bandhistorie und gab Erklärungen zu den diversen Stücken. Dabei gab er auch das Geheimnis der Franui’schen Schubert-Tänze preis: „Wenn man einen Trauermarsch viermal so schnell spielt, dann wird’s eine Polka“.