Prien – Bilder von Hugo Kauffmann, einem Maler der angesagten Genremalerei, der das bayerische Leben in einer Art und Weise festhielt, wie es schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts beliebt war, bereichern nun den Schatz des Priener Museums.
Die bedeutende Schenkung mit 58 Gemälden und 30 Zeichnungen an die Kunstsammlung der Marktgemeinde Prien durch Brigitta Abé ist derzeit in den Räumen des Heimatmuseums zu besichtigen. Brigitta Abé kommt mit der Übergabe an das Museum dem Wunsch ihres 2015 verstorbenen Gatten, Eberhard Abé, nach.
19 weitere Arbeiten von Chiemseemalern
19 weitere Arbeiten von Arnold Balwe, Josef Wopfner, Rudolf Sieck und anderen Chiemseemalern ergänzen die großzügige Schenkung und sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
1844 in Hamburg als Sohn des Genremalers Hermann Kauffmann geboren, besuchte Hugo Kauffmann von 1861 bis 1863 das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main, wo er Schüler bei Jakob Becker wurde. Anschließend begab er sich in die Malerkolonie Kronberg im Taunus. Es folgten Studienaufenthalte in Düsseldorf und Paris. 1871 ließ er sich in München nieder, ein Jahr darauf wurde Prien am Chiemsee sein künstlerischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt. Dort schloss er sich einem geselligen Kreis von Künstlern und Intellektuellen an, die sich seit 1855 zur Sommerfrische in Prien einfanden und sich „Bären und Löwen“ nannten.
Die Wiedergabe oberbayerischer Alltagsschilderungen steht im Zentrum seiner Bildwelt. Bereits zu Lebzeiten hatte Kauffmann damit großen Erfolg. In erzählerischer Darstellung trifft er in den minutiös ausgeführten eher kleinen Formaten den Nerv des Betrachters. Dabei beobachtet er genau, Tracht und Interieur werden detailgetreu wiedergegeben.
Mit seiner oft humorvollen Darstellung der Personen trifft er in seinen Szenerien feinsinnig die Fantasie und Neugier des Betrachters an.
Eindringlich charakterisiert Hugo Kauffmann Physiognomie und Gebärden und knüpft damit an die holländische Genremalerei mit ihrer feinen Helldunkelwirkung an. Sein zeichnerisches Können manifestiert sich nicht nur in den zahlreichen Porträts, die hier in der Ausstellung zu sehen sind, sondern auch in szenischen Darstellungen, wie der grau lavierten Federzeichnung „Kirchweihtanz“, in der man aufs Neue den eifrigen Illustrator bayerischen Volkslebens bewundern kann.
Hugo Kauffmanns Zusammenstoß von idealer und naturalistischer Auffassungsweise zeigt sich in seinem Werk besonders deutlich. Mit Hilfe einer scheinbaren Synthese von Detailrealismus und einer gefühlvoll verklärten Darstellung der eigenen Umwelt gelingt es ihm, diese Gegensätze miteinander zu verbinden. Es vollzieht sich eine unbefangene Annäherung an das wirkliche Leben.