Gutes noch besser machen

von Redaktion

Abschlusskonzert der zweiten „Masterclass“ im Schloss Neubeuern

Neubeuern – Gutes kann man immer noch besser machen. Das ist auch die Absicht der „Masterclass“, die Kammersänger Oskar Hillebrand zum zweiten Mal in Neubeuern durchführte. Das Abschlusskonzert fand im Spiegelsaal von Schloss Neubeuern statt. Alle sechs Sänger hatten ein Ziel: sich weiterbilden in Gesangstechnik, Präsentation und Gestaltung. Hillebrand benannte in seiner Begrüßung die einzigen Grundlagen für das Singen: „Korrekte Atmung, freie Töne ohne Anspannung zusätzlicher Muskeln, reine Aussprache der Vokale und klangvolle Formung der Konsonanten.“ Hillebrand führte auch mit milder Ironie durch den Abend.

Das Ergebnis konnte sich wohl hören lassen. Alle Stimmen sind kraftvolle Opernstimmen und nichts für Freunde des feinsinnig-zarten Konzertgesangs. Zuerst muss man den Pianisten Paolo Troian aus Mailand bewundern, der mit unerschütterlicher Ruhe, Stilsicherheit und Umsicht die insgesamt 14 Arien und Lieder begleitete.

Carsten Henn, der einzige Nicht-Opernsänger, ist Mitglied des Extra-Chors des Theaters Lübeck. Obwohl mit gutem Stimmmaterial begabt, ist sein Bariton noch nicht in jedem Vokal ausgewogen und er dürfte, wie in seinem „Lied an den Abendstern“ aus Wagners „Tannhäuser“, seine Phrasen ruhig ganz aussingen.

Michael Doumas, in Rosenheim bekannt durch Konzerte des Gesangsensembles „Cantosonor“, ist einer der wirklich tiefen Bässe. Schöne Legato-Kultur und pointierte Textgestaltung zeigte er in einem Schubert-Lied („Der Wanderer“), Wendigkeit und Publikumsbespielung in der Arie des Osmin aus Mozarts „Entführung“, finstere Eindringlichkeit in der Arie des Banco aus Verdis „Macbeth“.

Lucas Kunze konnte in der Arie des Heinrich aus Wagners „Lohengrin“ seinen prachtvoll strömenden und fülligen Bass präsentieren, in den „Fliedermonolog“ des Hans Sachs aus der gleichnamigen Wagner-Oper hätte er ein bisschen mehr Alters-Wehmut legen sollen, dafür schien Verdi wie für ihn komponiert zu haben: Die Arie des Fiesco aus „Simon Boccanegra“ sang er mit Verve, gestalterischer Intensität und schmerzlicher Wucht. Der Jubel des zahlreichen Publikums war ihm dafür sicher.

Der amerikanische Tenor Marlin Miller wurde schnell ebenfalls zum Publikumsliebling: Mit großer Strahlkraft und der oben angesprochenen klangvollen Formung der Konsonanten sang er die „Gralserzählung“ aus Wagners „Lohengrin“, sein metallisch-kraftvoller Tenor hatte in „Che gelida manina“ aus Puccinis „La Bohème“ auch Schmelz und Liebesgewalt.

Süßen Kulleraugen-Charme versprühte die opernerfahrene und bühnenpräsente Kayo Hashimoto vor allem in der Arie der Rosina aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, geschickt setzte sie dramatisch das Brustregister ein und glänzte mit gestochenen Koloraturen.

Der hochdramatische Sopran von Shoko Fokuda aus Tokio ist saalsprengend: Als Isolde starb sie hochexpressiv den Liebestod, als Leonore gestand sie mit hochaufblühendem Sopran ihre Liebe zu dem „Troubadour“.

Nach der Überreichung der Zertifikate an die Sänger gab’s noch zwei Verdi-Duette als Zugabe, bei denen dann auch der „Meister“ Oskar Hillebrand demonstrierte, wie satt, vokalrein und konsonantenklangvoll sein Bass klingt und wie souverän er die Bühne beherrscht.

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