Vom Schwan bis zum Faun

von Redaktion

Die Sommerkonzerte auf Schloss Amerang endeten mit einem musikalischen „Sommernachtstraum“

Amerang – Festlich und heiter endeten die so charmanten und atmosphärisch stimmigen Sommerkonzerte auf Schloss Amerang, Ortholf Freiherr von Crailsheim hatte sich in einen Frack geworfen, die Freifrau von Crailsheim war ganz in grün gewandet samt Hut mit grünen Pfauenaugen. Beide lasen ergötzliche Liebesbriefe: Giulia von Crailsheim-Larisch welche von Charlotte von Lengefeld an Friedrich von Schiller und von Germaine de Staël an einen ihren Liebhaber, aber auch ein selbstverfasstes Gedicht auf die Normandie, Ortholf von Crailsheim schelmisch schmunzelnd Briefe von Heinrich Heine an seine Mathilde, von Mozart an seine Constanze, eher tragisch einen Brief von Tschaikowski an seine Gönnerin Frau von Meck. „Sommernachtstraum“ hatte Baron von Crailsheim diesen Abschiedsabend genannt.

Die Musiker – ein elfköpfiges Orchester und zwei Sänger – stammten vom hauseigenen Ensemble der „Opernfestspiele Schloss Amerang“, das Ingo Kolonerics kürzlich gegründet hatte. Das Programm war eine kleine Hitparade der Klassik, von feierlich bis dramatisch, orchestral von Bach bis Mascagni, vom Schwan bis zum Faun, von der Bach’schen „Air“ bis zum Musette-Walzer von Puccini, sängerisch von Papageno aus Mozarts „Zauberflöte“ bis zu Lauretta aus Puccinis „Gianni Schicchi“, von Mozarts „Don Giovanni“ bis zum Torero aus Bizets „Carmen“.

Das Mini-Orchester, das für den „Karneval der Tiere“ klanglich etwas zu dünn war, machte dafür das „Prélude à làpres d‘une faune“ von Debussy schön durchsichtig, wohl aber rhythmisch etwas zu exakt, entfaltete aber in der „Air“ süffigen Wohlklang und in der „Zauberflöte“-Ouvertüre energischen Drive. Multiinstrumental agierte der Pianist, der am Clavinova sowohl die Harfe als auch die Pauke imitierte. Waku Nakazawa war ein straff-eleganter und aufmerksamer Dirigent.

Der Bassist Nejat Isik Belen und die Sopranistin Dilay Girgin sind alte Bekannte in Amerang. Ausdrucksstark, komödiantisch und überzeugend zählte Nejat Isik Belen auf, wie viele Frauen sein Herr Don Giovanni schon beglückt hatte, und präsentierte sich mit viriler Basswucht als Macho-Torero. Dilay Girgin, dieses Goldkehlchen mit dem schnellen Glöckchen-Vibrato, zeichnete mit strahlend-vollem Sopran die Gefühlsregungen der Kurtisane Violetta aus Verdis „La Traviata“ nach und demonstrierte, wie leicht sich ihr innig schwelgender Sopran in die Höhen aufschwingen kann in „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“. Die Duette hatte dialogische Präsenz.

Dirigent als Tenor

Hatte der Dirigent schon ganz überraschend in der Violetta-Arie den eigentlich von außen singenden Alfredo gesungen, übernahm er diese Tenor-Rolle auch in den Zugaben, dem „Libiamo“ aus „La Traviata“, und im wohl unvermeidlichen „O sole mio“. Die Zuhörer im ausverkauften Schlosshof bejubelten ausdauernd dieses heitere Sommerkonzert-Ende.

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