Rosenheim – „New York, New York“ heißt ein berühmter Song von Fred Ebb und John Kander, den Frank Sinatra interpretiert hat. Und so heißt auch eine Bilderserie der aus Moskau stammenden Malerin Ekaterina Zacharova, die in der Hypo-Vereinsbank in Rosenheim und in der Hypo-Vereinsbank in Rottach-Egern gezeigt wird. Im Lied ist New York der Sehnsuchtsort, eine Stadt, die niemals schläft. Wenn man es hier geschafft hat, dann schafft man es überall, ist der Sänger überzeugt. Das Lied erzählt von der Faszination, die die Stadt seit mehr als einem Jahrhundert ausübt. Diese Faszination findet sich auch auf den Bildern von Ekaterina Zacharova, aber mehr als das. Die Malerin, die in Moskau und Stuttgart studiert hat und seit 1996 in Bayern lebt, zeigt New York in großformatigen Bildern als ein Beispiel für die moderne Zeit mit ihrer Hektik, wo der Einzelne in der Masse verloren zu gehen droht und einsam und allein ist. Sie zeigt die Stadt aber auch als Schmelztiegel der Kulturen und Menschengruppen in ihrer bunten Vielfalt.
Die Malerin hat sich bereits mit den Bildzyklen „In aller Öffentlichkeit“, „Panta Rhei – Komm mit!“ und „Habana – un amor nostalgico“ in den vergangenen Jahren wiederholt mit Menschen in Metropolen beschäftigt, aber noch nie waren die Bilder von solcher andauernden Bewegung, von solcher Unrast, Hast und Hektik geprägt. Ekaterina Zacharova bietet Momentaufnahmen und zeichnet mit ihnen ein Bild einer rastlosen Stadt.
Der Verlauf
eines Tages
Die Bilderserie folgt fast chronologisch dem Verlauf eines Tages, von den morgendlichen Pendlern bis zu den Nachtschwärmern, die in „Way home“ kurz vor Sonnenaufgang müde nach Hause streben. „In first order of the day“ lassen sich die Geschäftsleute in der Haupthalle der Central Station ihre Schuhe polieren. In „Rushing on“ streben die Menschen ihrer Arbeit oder ihren Einkäufen zu. Und immer wieder macht Ekaterina die Einsamkeit und Distanziertheit fest. Die Menschen hetzen mit dem Blick in ihre Smartphones durch die Straßenschluchten oder schauen angestrengt aneinander vorbei, auch in den Cafés oder in den Einkaufsstraßen. So ist dieses New York grell und bunt und doch kühl und abweisend.
Die Stadt im Hintergrund der Bilder ist mal düster, mal leuchtend. Sie droht, beängstigt, wirkt aber auch anziehend und faszinierend. Ekaterina Zacharova gelingt dies mit expressiver Farbigkeit und mit einem dynamischen Pinselstrich. Durch den pastosen Farbauftrag, durch die Setzung des Lichts wirken die Bilder überaus plastisch.
Zacharova zeigt
die Gesichter
Aus den abstrahierten Häuserschluchten hebt aber die Malerin die Menschen aus der Masse und der Anonymität. Sie zeigt immer wieder die Gesichter der Menschen, die sich aber isoliert voneinander durch den Dschungel New Yorks kämpfen.
Anders als im Lied „New York, New York“ mag wohl nicht jeder in dieser Stadt, die niemals schläft, aufwachen und ein Teil von ihr sein.