Übersee – Zum 23. Mal tummeln sich Musikbegeisterte und Feierwütige in Übersee beim Chiemsee-Summer-Festival, in diesem Jahr bisher bei strahlendem Sonnenschein und bis zu 27 Grad Wärme. Diejenigen, die am Donnerstag keine Lust darauf hatten, auf den Bus zum Chiemseeufer zu warten, sondern Musik hören wollten, stürmten gleich um 14 Uhr das Festivalgelände um die Band Heischneida zu erleben. Mit ihrer Mischung aus Rock, Ska, Funk und Gypsy-Blues und mit ihren witzigen Mundart-Texten brachten die sechs Burschen aus Bergen die Besucher trotz Nachmittagshitze zum Tanzen und Springen. 2015 gewann Heischneida den Bandwettbewerb des Chiemsee- Summer-Festivals und einen Auftritt auf der Zeltbühne des Chiemsee-Summers 2015 und den Titel „Headliner 2020“. Zum Headliner hat es 2017 zwar noch nicht ganz gereicht, aber immerhin wurden die Bergener in diesem Jahr als reguläre Band auf der Hauptbühne gebucht. Und wer weiß wohin die Reise in den nächsten Jahren geht? Ihre Songs „Sandler“ oder „I woit scho immer Indianer sei“ sind auf jeden Fall massentauglich und laden zum Mitsingen ein.
Am Nachmittag standen weiter OK Kid, Kontra K und Tonbandgerät auf der Bühne. Alle drei Bands haben sich vor vielen Jahren dafür entschieden, ihre Songtexte auf Deutsch zu schreiben. Sie bewiesen, jede Band auf ihre Weise, wie viel Spaß es macht, nicht nur tanzbare Musik zu produzieren, sondern auch Lebensweisheiten in den Songs zu verstecken.
Der Höhepunkt am zweiten Tag war allerdings der Auftritt der Rapperin Fiva und der „Jazz Rausch Big Band“ aus München. Fiva, die eigentlich Nina Sonnenberg heißt, ist Musikerin, Dichterin, Buchautorin, Radio- und TV-Moderatorin, Labelchefin und seit wenigen Monaten auch Mutter. Am Nachmittag kam sie mit Baby und Mann in Übersee an, wenige Stunden später stand Fiva dann im Rampenlicht. Hinter ihr waren 20 Musiker, Bläser, Streicher die sich „Jazz Rausch Big Band“ (JRBB) nennen. Die JRBB ist derzeit eine der erfolgreichsten Big Bands in Deutschland und Europa. Der 20-köpfigen Truppe ist es nämlich gelungen, Live-Musik zurück in die Clubs und Diskotheken zu bringen. Bei ihren Auftritten spielen sie Dubstep, Hip-Hop und Elektro, und das alles auf klassischen Blasinstrumenten.
Die Kombination aus Fivas intelligenten Rap-Texten und dem fulminanten Sound der JRBB ist genial. 2016 haben sie gemeinsam das Album „Keine Angst vor Legenden“ veröffentlich und touren seitdem von einem Auftritt zum Nächsten. Und es macht ihnen Spaß. Die Musiker, alle in Jeans, weißem T-Shirt und weinroter Bomberjacke tanzen, scherzen und feiern das Leben auf der Bühne. Fiva singt alte Songs neu arrangiert, wie „Klein Kunst“ oder „Klar kommen und dreckig gehen“ aber auch neue Lieder über Freundschaft, Flucht und wahre Helden. Mit viel Bescheidenheit und Charme zitierte Fiva am Ende des Konzertes ihre eigenen Songzeilen: „Chiemsee, mit euch will einen Sommer lang nur tanzen!“ Leider musste die 20-köpfige Truppe auf der kleineren Zeltbühne spielen, obwohl sie für die große Bühne wie gemacht waren.
Den Donnerstagabend beendeten die Hauptband Beginner und später dann die Ohrbooten auf der Open-Air-Bühne „Wilder Kaiser“. Die Besucher feierten in den Sonnenuntergang und die Nacht hinein.