Althaus und Mooshäusl

von Redaktion

Bogenhausen, Gollenshausen, (Groß-/Klein-)Holzhausen: Es verwundert nicht, wenn man Ortsnamen vorfindet, die mit der altertümlichen Mehrzahlform von „Haus“, althochdeutsch „hus“ (mit langem u), Mehrzahl „husun, husen“, gebildet worden sind.

Aber kann auch die Einzahlform „Haus“ für einen Ortsnamen stehen? Eigentlich sehr unwahrscheinlich! Als Hausname ja, aber auch als Bezeichnung für einen Weiler oder gar für ein Dorf?

Wie es ginge, zeigen der Ort und die Gemeinde „Haus“ in der österreichischen Steiermark: Diese Marktgemeinde zählt immerhin 2466 Einwohner!

Im Zusammenhang mit den auch in unserer Region vorhandenen „Haus“-Orten „Althaus“ und „Althäusl“ nehmen wir zunächst eine Warnung des Ortsnamenforschers Karl Finsterwalder zur Kenntnis. Dieser merkte hierzu an: Im Zillertal gebe es den Namen „Althaus“, der dort in den Flurnamen „Althausklamm“ und „Altheisl“ vorkomme.

Altes Haus und altes Häusl? Mitnichten! Diese Begriffe seien irrige Rückbildungen aus einem alternativen germanischen Begriff für „Gletscher“: Dieser hieß bei den deutschsprachigen Einwanderern „Alteis“, in der Mundart „Altas“, so Finsterwalder.

Aber gilt diese Warnung auch für Althaus („Oidhaus“) bei Neubeuern und Althäusl („Altheisl“) bei Kiefersfelden? Gibt es Hinweise, wonach auch hier Gletscher für die Namengebung eine Rolle gespielt haben könnten?

Wohl kaum, denn das ist diverse Eiszeiten her, viele Jahrtausende, bevor die germanischen Siedler in unsere Regionen zugewandert sind. Für Althaus bei Neubeuern geben wir dem Namensforscher Dr. Josef Bernrieder Gehör. Dieser zitiert den Gelehrten Philipp Apian, der 1569 schreibt: „Alten Peuern, arx perantiqua, in monte alto sita; hanc etiam Althaus, quasi antiquam et veterem domum, appellant“. Wir probieren es so: „Altenbeuern, eine sehr alte Burg, auf einem hohen Berg gelegen; diese nennt man auch Althaus, gleichsam wie ein antikes und altes Haus“. Bernrieder erklärt hierzu: „Der alte Name ‚Burg Altenbeuern‘ war im 16. Jahrhundert schon in Vergessenheit geraten. ‚Althaus‘ wurde, da die Burg von den Herren von Neubeuern (Thurnern) vernachlässigt worden war, auf den Sedlhof (Hofbau) der Burg übertragen. (…)“.

Halten wir fest: Die Anfang des 12. Jahrhunderts auf einem Felsen über Pinswang errichtete kleine Burg von Altenbeuern bekam wegen der erwähnten Verwahrlosung den Namen „Althaus“, der später auf einen Sedelhof übertragen worden ist. „Althaus“ ist hier nun definitiv kein Gletschername, aber auch kein Ortsname.

Kaum anders sieht es mit „Haus“ bei Nußdorf, Törwang und Breitbrunn aus. Das sind Einzelgehöfte oder allenfalls Weiler.

„Althäusl“ – das älteste Haus

Auch für „Althäusl“ kann keine größere Ortschaft angegeben werden. Althäusl bei Kiefersfelden ist zwar ebenfalls kein Gletscherwort; es bezeichnet aber lediglich das älteste Gebäude der Gemeinde Kiefersfelden!

1:0 also für „Haus“ in Österreich! Zum Trost: Immerhin spielte im Jahre 927 für dessen Namengebung ein bairischer Adeliger eine große Rolle. Er hatte in diesem Jahr seine Besitzungen mitsamt einem befestigten, mit einem Dach versehenen Gebäude – dies ist der ursprüngliche Sinn von „hus/Haus“ – dem Salzburger Erzbischof überlassen. Dadurch gewann Haus sehr an Bedeutung. Erst 1786 wurde die Hauptpfarrei Haus vom Erzbistum Salzburg abgetrennt und der neu gebildeten Diözese Leoben übetragen.

Bleibt noch ein Blick auf das „Mooshäusl“ zu werfen. Das ist ein einzelner ehemaliger Bauernhof im Litzldorfer Moos, hat aber immerhin einen Eintrag im Standardwerk „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“. Dessen Autor Hans Meixner rückt es zu Großholzhausen; wir stellen es aber, wie es sich gehört, zu Litzldorf!

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