Landkreis Rosenheim

Von Adel, Kirche und selbstbewussten Bürgern

von Redaktion

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, steht heuer unter dem Motto „Macht und Pracht“

Landkreis Rosenheim – Im Landkreis Rosenheim gibt es eine ganze Reihe von Schlössern und Burgen, die einst für Macht und Pracht standen oder es immer noch tun. Im Unterschied zu einem Publikumsmagneten wie Schloss Herrenchiemsee sind die meisten von ihnen normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, der heuer unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht, bietet daher wieder seltene Gelegenheiten für manchen Blick hinter sonst verschlossene Türen und Tore. Die Schlösser, Burgen, Kirchen und Häuser erzählen von der Macht und Pracht des Adels und der Kirche, aber auch von selbstbewussten Bürgern. Möglichkeiten zu Besichtigungen und Führungen gibt es im Landkreis Rosenheim in Bad Endorf, Neubeuern, Bad Aibling, Wasserburg und Babensham.

Babensham

In der Gemeinde ganz im Norden des Landkreises steht das Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Schloss Penzing. Der oberhalb des Penzinger Sees gelegene viergeschossige Hauptbau wurde 1483 um eine Schlosskapelle erweitert. Am Tag des offenen Denkmals ist Schloss Penzing von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Führungen durch Walter Erpf werden um 15 Uhr, 16.30 und 18 Uhr angeboten.

Ein mächtiger Turm mit Satteldach weist den Weg zur Kirche St. Jakobus in Schönberg, ebenfalls in der Gemeinde Babensham. Sie liegt zwischen der Bundesstraße 304 und der Staatsstraße 2357 nach Schnaitsee. Um 14 und 14.45 Uhr wird Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan die Ergebnisse der jüngsten Forschungen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte dieses Gotteshauses vorstellen, das älter ist, als bisher angenommen, und in wesentlichen Teilen auf Wasserburger Baumeister und Künstler zurückzuführen ist. So gibt es nicht nur Übereinstimmungen in den gotischen Diensten mit Wasserburger Kirchen, sondern auch zwei von drei Altären sind Wasserburger Kistlern, Bildhauern und Malern zuzuordnen. Dieselben Meister, die 1655/58 den berühmten Wasserburger Hochaltar mit den Ritterheiligen des Martin Zürn aufgerichtet haben, sind auch 1674 in Schönberg für den Hochaltar tätig: Adam Hartmann ist für die Figuren der heiligen Georg und Florian und die Dachungsengel verantwortlich, Franz Pecker für das Altarblatt sowie Hans Aberlin und Paulus Fuxhofer für die Schreinerarbeiten. Der Sebastiansaltar von 1631 und die Antependien führen zu Jeremias Hartmann und in die Malerwerkstatt der Pittenharter zurück. Und schließlich ist auch die „Allegorie der göttlichen Weisheit“ aus der Werkstatt der Zürn ein Einzelobjekt, das ebenso beachtenswert ist wie das barocke Fastentuch, das lange Zeit in Babensham hing und nun wieder an seinen Ursprungsort zurückgebracht wurde. Geöffnet ist die Kirche nur von 14 bis 15.30 Uhr.

Bad Aibling

Das Motto „Macht und Pracht“ wird in Bad Aibling auf eine einmalige Art und Weise interpretiert. Zwei Führungen werden angeboten, die einen Bogen von einem ehemaligen Besitztum der Wittelsbacher hin zum modernen Rathaus spannen. Um 11 und um 14.30 Uhr beginnen die Führungen auf dem Parkplatz neben der Stadtverwaltung am Klafferer 4. Das neubarocke Gebäude beherbergte ab 1901 das Bezirksamt. 1939 wurde daraus das Landratsamt und seit 2010 residiert dort die Stadtverwaltung. Die Führung geht weiter zum ehemaligen Amtsgerichtsgebäude. Die beiden dreigeschossigen Bauten gehörten einst den Wittelsbachern, die dort das herzogliche Pflegeschloss betrieben. Von der Macht damals zur Macht heute ist es zu Fuß kein weiter Weg. Die Führung endet im 2012 fertiggestellten neuen Rathaus am Marienplatz. Die drei Gebäude können am Tag des offenen Denkmals nur im Rahmen der Führungen besichtigt werden.

Neubeuern

Der weithin sichtbare Bergfried von Schloss Neubeuern wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Die restliche Burg wurde im österreichischen Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert zerstört. Den Wiederaufbau organisierte Max IV. Emanuel von Preysing-Aschau in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Schlosskapelle St. Augustin stattete Johann Baptist Zimmermann aus. Schloss Neubeuern ist von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Um 10 und um 11 Uhr bieten Restaurator Wolfgang Lauber und Kreisheimatpfleger Daniel Hoheneder Führungen an.

Bad Endorf

In Bad Endorf in der Nähe des Ortsteiles Hemhof lag zwischen Schlosssee und Langbürgner See ursprünglich eine Burganlage der Falkensteiner. 1680 entstand an der Stelle ein barockes Schloss mit Mitteltrakt, einem Seitenflügel und einer 1730 beigefügten Schlosskapelle. Schloss Hartmannsberg ist normalerweise nur im Rahmen von Konzertveranstaltungen und einer einmal jährlich stattfindenden Ausstellung öffentlich zugänglich. Am 10. September kann das im Eigentum des Landkreises Rosenheim stehende Schloss von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Kulturreferent des Landkreises Christoph Maier-Gehring bietet zudem um 15 und um 16 Uhr Führungen an.

Wasserburg

Wenn es im Landkreis einen Ort gibt, der seine einstige Macht und Pracht bis heute gerne zur Schau stellt, dann ist es Wasserburg. In der Innstadt wird anlässlich des Tags des offenen Denkmals das umfassendste Programm angeboten. Stadtarchivar Matthias Haupt führt um 10, 12 und 15.30 Uhr durch das historische Archiv im Rathaus. Die rund 60-minütigen Führungen beginnen im Foyer des Rathauses. Aus Platzgründen muss die Teilnehmerzahl auf 18 begrenzt werden.

Traudl Inninger präsentiert ab 14 Uhr „eine prächtige Burg über einer mächtigen Stadt“. Die Führerin wird die illustren Bewohner der Burg vorstellen und den Teilnehmern die sonst verschlossene Burgkirche St. Ägidien zeigen. Treffpunkt ist im Burghof vor dem Kasten.

Die Kirchen einer Stadt waren der Stolz ihrer Bürger. Ihre Errichtung dauerte Jahrzehnte und im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer wieder umgestaltet. Unter dem Titel „Wer glaubt, wird selig“ lädt Ingrid Unger um 11 und um 14 Uhr zu einem Spaziergang, auf dessen Weg die Pfarrkirche St. Jakob, die Frauenkirche und die selten geöffnete Heiliggeist-Spitalkirche liegen. Treffpunkt ist am Eingang der Frauenkirche.

Nicht nur Adel und Kirche trugen in früheren Jahrhunderten ihre Pracht zur Schau. Auch das Bürgertum präsentierte selbstbewusst Reichtum und Wohlstand. Um 14 und um 16 Uhr wird Sonja Fehler im Museum Wasserburg die Renaissanceporträts vorstellen und erklären, warum das Geschirr früher an der Wand hing und wie die prächtigen Goldhauben nach Wasserburg kamen. Das Museum Wasserburg ist am Tag des offenen Denkmals von 13 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

In der Wasserburger Altstadt sind es bis heute die Fassaden, in denen sich der Reichtum der alten Handelsstadt widerspiegelt. Brucktor und Rathaus zeugen zudem vom Selbstbewusstsein der Bürger. Irene Kristen-Deliano führt um 11 und um 15 Uhr zu den Orten, an denen Macht und Pracht des alten Wasserburg noch heute präsent sind. Treffpunkt ist vor dem Rathaus am Marienplatz.

Im vergangenen Jahr wurde die Sammlung Wasserburg aus fünf Jahrhunderten im ehemaligen Heiliggeist-Spital im Brucktor eingerichtet. Sie umfasst neben zahlreichen Stadtansichten auch Objekte des Wasserburger Kunsthandwerks und der sakralen Kunst. Am Tag des offenen Denkmals ist sie von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Gerd Riemeier wird zudem um 15 Uhr durch die Sammlung führen und die bedeutendsten Objekte präsentieren. Im Anschluss daran, um 16 Uhr, zeigt Bernd Joa, der Begründer der Sammlung Wasserburg, in der Heiliggeist-Spitalkirche vier Wasserburger Kelche.

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