Der Grant – der Blues des Südens

von Redaktion

Jörg Herwegh analysiert in seinem neuen Soloprogramm den bayerischen Grant

Rosenheim – Der Grant ist ein Wesensmerkmal der deutschsprachigen Alpen-Anwohner. Aber der Grant ist mehr als nur schlechte Laune, er ist ein Lebensgefühl. Nach dem Schriftsteller Thomas Grasberger, der ein Buch über den Grant geschrieben hat, ist es „der Blues des Südens“. Diesen Grant hat sich der Kabarettist Jörg Herwegh als Thema für sein neues Programm „Granteln für Anfänger“ genommen und im Gasthaus Höhensteiger in Westerndorf St. Peter erstmals vor einer Handvoll Zuschauern präsentiert.

Mit großem schauspielerischen Aufwand stellt Herwegh, auf einem Stuhl sitzend und am Schluss auch stehend, den Grantler vor und dar, knautscht sein wandelbares Gesicht in viele Grantfalten und bazelt die Augen raus: Alles, worüber er grantelt, muss raus. So kommt es zu einem kabarettistischen Rundumschlag gegen Wahlplakate, die entscheidungshindernde Riesenauswahl in Supermärkten („Die Vielzahl in seiner Überhöhung führt zur Einfalt.“), die zahlreichen Koch- und Polittalksendungen im Fernsehen und gegen Trendwörter, nämlich „ergebnisoffen, nachhaltig und authentisch“.

Immer wieder definiert er neu das Grant-Gefühl, diese Selbstverteidigungsform des intelligenten Lebens gegen den Gute-Laune-Terror der Berufsoptimisten und Dauerlächler. Der Grant sei nur ein ausgeklügeltes Preis-Leistungs-Verhältnis der Worte – was des Grantlers Ehefrau überhaupt nicht schätzt.

„Ich bin nicht schlecht gelaunt – ich grantle nur!“, versichert er, nach dem Motto: „Grantlo, ergo sum.“ Ich grantle, also bin ich. Der Grantler sei kein Pessimist und kein Fanatiker, sondern ein Menschenfreund: Er liebe die Leute, die er zerfetzt. Dies kann aber Herwegh nicht ganz durchhalten, mittendrin wechselt er aus seiner Rolle als Grantler in die Rolle des cholerisch keifenden Zivilisations- und Politikkritikers.

Gelungen ist die Kreiskonstruktion: Ein Telefonat steht am Anfang und am Ende, ein Telefonat des Grantlers mit seinem wortdiarrhöischen Spezl Richie, das ihm Verstopfung verursacht, hört man am Anfang nur aus der Grantlerperspektive, am Ende aus der des wortübersprudelnden Spezls, wobei eine Zuschauerin die Rolles des Grantlers übernehmen darf.

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Weitere Aufführungen sind am Dienstag, 19. September, um 20 Uhr in den Paulanerstuben in Wasserburg, am Sonntag, 1. Oktober, um 19 Uhr in der Landwirtschaft in Staudham bei Wasserburg, am Donnerstag, 19. Oktober, um 20 Uhr im Mareis-Keller in Kolbermoor. Vorverkauf für Wasserburg ist in der Buchhandlung Fabula, in Wasserburg, Vorverkauf für Kolbermoor bei Optik Schwägerl in Kolbermoor, und bei Scriptorium Rosenheim am Salinplatz.

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