Menschen und Stühle bekommen Falten

von Redaktion

Frühe Gemälde von Herbert Klee in der Galerie des Kunstvereins Bad Aibling

Bad Aibling – „Menschen und Stühle“ – die Ausstellung der Bilder von Herbert Klee in der Galerie des Kunstvereins Bad Aibling steht unter einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Titel. Beide haben jedoch mehr gemeinsam, als zuerst vermutet. Sie begleiten einander, werden bisweilen miteinander älter, vermitteln Lebensgefühl, Status, Gemütlichkeit, eine Art gegenseitige Unterstützung. Stühle wie Menschen durchleben unterschiedliche Phasen, stehen in ihrem Äußeren für eine Wahrnehmung durch den Betrachter. Eine kulturell bedingte Symbiose ergibt sich.

„Beide bekommen Falten,“ sieht der Künstler den Bezug der Menschen zu ihren bevorzugten Sitzgelegenheiten. Dabei darf man bei ihm eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik ebenso wie eine humorvolle Sicht erwarten.

1946 in Pfaffenhofen geboren, absolvierte Klee eine Ausbildung zum Holzbildhauer und Grafikdesigner und ist seit 1972 als freischaffender Maler, Zeichner, Holzschneider und Karikaturist tätig. Dabei widmete er sich klassischen und zeitgenössischen Themen. Die Karikatur, aber auch eine große Ernsthaftigkeit und eine künstlerische Einzigartigkeit, vor allem in der Darstellung des Menschen – dem Mittelpunkt seines Schaffens – scheint in all seinen Werken auf.

Stuhlbilder aus den 80er-Jahren

Die Stuhlbilder stammen noch aus der Schaffensphase der 80er-Jahre und sind als frühe Werke zum Teil nie vorher gezeigt worden. Da ist der „Chefsessel“ mit Rückgratverstärkung, der „rosa Sessel“ in sanfter Farbe mit geschwungener Form, aber dennoch voller „Political Correctness“. Nicht angenehm wirken die Kanten beim „Dentistenstuhl“. Das „Triptychon“ ist teils verhüllt, teils mögliche Sitzgelegenheit, vielleicht teils weich, aber nicht einladend.

Letzteres sind auch die meisten Menschen nicht, die Klee portraitiert – wohl kritisiert. „Kardinal Richelieu“ reckt sich mit hagerer Nase und starrenden Augen geradezu in den Galerieraum. Es ist eine frühere Arbeit der 80er, die von den Darstellungen späterer Jahre noch an kühler Ausstrahlung übertroffen wird. Klees Bilder menschlicher Macht oder auch menschlicher Machthoffnungen sind pointiert, sind eine beeindruckende Mixtur zwischen klassischer Darstellung und Karikatur.

Die Gestalten in „Brüder“ erscheinen in fahlem Licht und mit hartem Blick auf den Betrachter. Bei „Broker“ wählte der Künstler eine Kombination von Holzschnitt und Ölmalerei und erzielte damit eine geheimnisvoll-zerrissene, ästhetische, aber dunkel-unnahbare Wirkung. Außergewöhnlich ist häufig die hervorragende Lichtinterpretation Klees. Sie gibt wie der harte, vertikale Schnitt den Menschenportraits oft eine große Strenge, aber ebenso viel Attraktivität zur längeren Betrachtung. Diese führt einerseits zu Faszination, gleichwohl zu Distanziertheit und möglicherweise gewolltem Fragen nach den dargestellten Befindlichkeiten manch Portraitierter.

Zu sehen sind die Werke von Herbert Klee in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus in Bad Aibling, Irlachstraße 5, noch bis Sonntag, 1. Oktober, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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