Eintauchen in tiefere Schichten

von Redaktion

Ausstellung „Blick dahinter“ mit Werken von Therese Austermann und Sheila Furlan in Neubeuern

Neubeuern – „Blick dahinter“ haben Therese Austermann aus Neubeuern und die Münchnerin Sheila Furlan ihre gemeinsame Ausstellung in der Galerie am Markt in Neubeuern genannt. Selten ist mit einem Titel das Wesen einer Ausstellung so gut erfasst wie hier. Es geht bei allen Werken, bei denen häufig bedruckte oder bemalte Seidenstoffe zum Einsatz kommen, um die Durchdringung der Oberfläche, das Eintauchen in tiefere Schichten.

Erleichtert wird dieser „Blick dahinter“, weil viele Arbeiten der beiden Künstlerinnen dreidimensional sind, es sind Mischungen zwischen Bild und Objekt. Therese Austermann zum Beispiel verwendet für zwei Objekte, die sich mit dem Begriff Traum beschäftigen, kleine Holzkästen, deren Hintergrund Collagen bilden. Schon sie geben den Eindruck von Tiefe, darüber aber sind noch mehrere Schichten bemalter oder bedruckter Seidenstoffe gespannt.

Dargestellt werden bisweilen Personen, häufiger aber nur das, was man als einen zur Gestalt geronnenen Gemütszustand bezeichnen könnte. Immer aber hat man den Eindruck, dass man den Personen oder Gefühlen sehr nahe kommt, bisweilen sogar näher dran ist, als es die Schicklichkeit normalerweise zuließe. Wohl nicht von ungefähr lautete, wie Theresa Austermann erzählt, ein ursprünglicher Arbeitstitel der Ausstellung „Grenzbereiche“.

Bilder aus Schichten von Seide

Auch in ihren Bildern arbeitet Theresa Austermann im Grunde dreidimensional, auch sie bestehen aus mehreren Schichten bemalter Seide, was ihnen einen ungewöhnlichen Tiefeneindruck verleiht und dazu führt, dass die Bilder je nach Blickwinkel und Lichteinfall immer wieder andere Nuancen bekommen. Manche dieser Bilder wie „Auf Herzfrequenz“ oder „Der Blues in mir“ sind von expressiver Farbigkeit, andere wie „Jenseitig 1“ und „Jenseitig 2“ sind fast monochrom und von ätherischer Leichtigkeit.

Eine besondere Zartheit kennzeichnet auch alle Objekte und Bilder, die Sheila Furlan der Ausstellung beigegeben hat. Vor allem die Objekte, in denen bestickte Seide sowohl den Untergrund als auch die Bespannung kleiner Metallrahmen bildet, wirken wie feinstes Gespinst. Der Eindruck wird dadurch verstärkt, indem das Objekt durch Fäden, die aus dem Rahmen heraushängen oder in ihn hineinführen, über seine Begrenzung hinausreicht. Bei etlichen Werken Sheila Furlans besteht das Dargestellte aus Wörtern und Satzfetzen. Sie handeln von der Flüchtigkeit gesprochenen Wortes, wobei sich doch der eine oder andere Ausdruck festsetzt. Besonders deutlich wird das bei dem dreidimensionalen Kopf aus Seide, in dessen Inneren Worte zu sehen sind. Es sind Worte, die Sheila Furlan bei einer beiläufig gehörten Radioreportage über das Leiden der Frauen in allen Kriegen aufgenommen hat und die in ihrem Gedächtnis haften geblieben sind.

Die Objekte und Bilder von Therese Austermann und Sheila Furlan sind noch bis 1. Oktober freitags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 19 Uhr in der Galerie am Markt in Neubeuern zu sehen.

Artikel 6 von 8