Wechselspiel zwischen Grafik und Malerei

von Redaktion

Ausstellung „Yvette Kießling – Malerei“ beim Verein Kunst und Kultur zu Hohenaschau

Aschau – Bereits im Jahr 2011 hatte Yvette Kießling ihre faszinierenden Landschaften bei einer Gruppenausstellung Leipziger Künstler in der Galerie des Kunst-und Kulturvereins zu Hohenaschau an der Festhalle gezeigt. Nun ist sie mit einer Einzelausstellung wieder zurückgekehrt, dies kurz nach dem Tode ihres Lehrers Arno Rink. Als seine einstige Meisterschülerin setzt sie mit der unbeirrbaren Konsequenz, die auch Rinks Werk auszeichnet, ihr eigenes Schaffen fort. Bewusst stellt sie sich in die große Tradition europäischer Landschaftsmalerei.

Die Natur vom

Wasser aus

Da sie in einer Wasserlandschaft im Leipziger Raum lebt, liebt sie die Natur vom Wasser aus. Bei ihren Lithografien geht sie sogar so weit, dass sie neben den Malutensilien präparierte Bildträger mit ins Boot nimmt, in dem sie arbeitet. Leinwände sind mit Knochenleim auf Hartfaserplatten kaschiert und auch der Lithostein wird mit an Bord genommen. Und oft ist es dem Schwanken des Boots geschuldet, wenn durch das Arbeiten auf einem unfesten Körper die Strukturen des Schwingens ineinanderfließen.

„Meine Arbeit ist ein Wechselspiel zwischen Malerei und Grafik und umgekehrt“, sagte die Künstlerin bei der Ausstellungseröffnung. Und so ist die Bilderschau in Hohenaschau ein Nebeneinander von Öl auf Leinwand oder Holz-Bildern, von Tuschlithografien, Lichtdrucken und Radierungen. Insgesamt sind es 71 Exponate, die sich auf den großen Raum im Erdgeschoss sowie den Flur und die vier Räume im Obergeschoss verteilen.

Doch fast alle Bilder haben es mit dem Wasser zu tun. Ob vom großformatigen Ölbild mit dem Titel „Elbequell“ über den Starnberger See bis hin nach Island oder Sansibar. Sehr oft bildet die Künstlerin Palmen ab, auch als Wasserpalmen in einer vierfarbigen Tuschelithografie. Besonders hat ihr es die Farbe Grün in den verschiedensten Tönen angetan. Doch die wirken zumeist verschwommen, so auch die schwammigen Ockertöne. Scheinbar hingezaubert, haben sie ein sinnliches Eigenleben aus Licht und Schatten. Mit Weiß- und Graufärbungen sowie säumenden Uferrändern ist eine Wasserfläche evoziert. „Ich versuche, das Wesentliche aus der Landschaft herauszufiltern, zu kristallisieren und zu bündeln“, sagt Yvette Kießling. Sie setzt Farbflecken nebeneinander, dennoch sitzt jede Linie. Selbst im „Jungle, Sansibar“, wo alles durcheinander wuchert, ist dies zu erkennen. Der Mensch hat da keinen Platz. In einem einzigen Bild dieser Ausstellung ist er zu sehen. Die Natur wird allein für die Künstlerin zum Anlass für eine Farb- und Formkomposition: Wolkenformationen und Spiegelungen auf der Wasseroberfläche verleihen manchen Bildern eine poetische Note. „Wir werden bei der Bildbetrachtung nicht nur von einer von uns auszufüllenden Landschaft ansichtig, sondern nehmen wahr, wie die Künstlerin ihr Licht auf die Szenerie anlegt, etwa als eine weiße Strahlung hinein ins Bild“, so der Kunsthistoriker Elmar Zorn in seiner Einführung zur Ausstellungseröffnung. Dies wird vor allem bei „Weißer Strom“ deutlich.

Während dieses Bild eben durch diese weiße Strahlung sein Eigenleben besitzt, wirken einige Bilder, vor allem im Raum zwei unvollständig und hätten einen Rahmen verdient.

Generell ist in dieser Ausstellung laut Elmar Zorn eine „raffinierte Technik“ festzustellen. Yvette Kießling wechselt von der anfänglichen Lithografie zur Malerei und dann wieder zurück zur Lithografie, um eine Landschaft einzufangen. Dies ist vor allem im Raum zwei zu sehen, in dem Ölbilder und mehrfarbige Tuschelithografien nebeneinander hängen. Das bestätigt die Aussage der Künstlerin, die ihr Werk ja als ein Wechselspiel bezeichnete.

Die Ausstellung ist bis 22. Oktober mittwochs von 16 bis 18 Uhr, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 und von 16 bis 19 Uhr zu sehen.

Artikel 5 von 8