Brannenburg – Das Komponieren von Streichquartetten ist Königsdisziplin. Mozart, Beethoven, Brahms, Schönberg und Bartok haben da mächtige Klanggebirge getürmt und sind dem zeitgenössischen Compositeur harte Konkurrenten. Der in Brannenburg lebende Roland Leistner-Mayer kann 70-jährig mit nunmehr sieben Streichquartetten aufwarten, die sich würdig in die hehre Tradition einreihen.
Frisch aus der Presse sind jetzt Nummer 5, 6 und 7 erschienen. Das tschechische „Sojka Quartet Pilsen“ mit Martin Kos und Martin Kaplan (erste und zweite Violine), Josef Fiala (Viola) und Hana Vitková (Cello) überzeugt durch eine zupackende Interpretation, die bei hohem technischen Anspruch den Akzent auf die emotionalen Qualitäten dieser Musik setzt und feinste Nuancen auslotet.
Schon Beethovens Quartette galten als schwierig; doch keine Angst: Diese Gattung können nicht nur Musikexperten goutieren, sondern in erster Linie geistige Feinschmecker. Deshalb ein subjektiver Tipp zum Einhören in die neue CD: Legen Sie als erstes den Satz „Ricordanza“ – „Erinnerung“ – auf! Es ist die fünfte von den insgesamt „sieben untapferen Bagatellen“ des sechsten Quartetts. Leistner-Mayer schrieb schon einmal „tapfere Klavierstücke“, in denen er trotzig gegen die Endlichkeit des Daseins aufbegehrt. Die mangelnde „Tapferkeit“ des Quartetts besteht nach Aussage des Komponisten im „Wegschieben und Verdrängen“ der Conditio Humana. So negativ dürfte das der Hörer sicher nicht empfinden, denn diese Musik voller Melancholie und Innigkeit vermittelt durch ihre kompositorische Raffinesse und Schönheit vielmehr Lebensmut und Zuversicht. Der letzte Satz mit der Bezeichnung „Passare in…“ geleitet einen mit fast Mahlerischer Emphase und berührend melodiös dorthin, wo „das Lebenslied sich entfernt“.
Es ist nicht möglich, in Kürze alle drei Quartette ihrem Rang entsprechend zu würdigen. In allen eingespielten Werken aber zeigt sich Roland Leistner-Mayer nicht nur als Könner, sondern auch als bedeutender, sprachmächtiger Ausdrucksmusiker voll Energie und Vitalität. Seine Musik lädt ein zum „Spazierengehen“: Der Hörer findet von selbst den richtigen Weg, der zwar zielorientiert, aber keineswegs schnurgerade zum entspannten Betrachten interessanter, farbiger und spannender Ausblicke einlädt.
Nicht nur das transparente und tonschöne Klangbild der Aufnahme begeistert, auch das ansprechend gestaltete Booklet. Es liefert keinen musikwissenschaftlichen Jargon, der die Musik erklären will, sondern bietet nützliche Hintergrundinformationen. Für Kammermusik-Liebhaber eine notwendige Ergänzung des Repertoires, für „normale“ Musikfreunde eine Bereicherung, weil auch heutige Musik uns die Geheimnisse des Lebens zu entschlüsseln hilft.
Roland Leistner-Mayer: String Quartets 5, 6, 7. Sojka Quartet. Erhältlich im Handel oder bei www.TYXart.de. Bestellnummer: TXA17090.