Schräge Westernparty im Le Pirate

von Redaktion

Das Titus-Waldenfels-Quartett interpretierte Johnny Cash und Co.

Rosenheim – Unter dem Motto „Tarantino liegt in Bayern“ spielten vier Kapitäne der hiesigen Musikszene ein unterhaltsam-skurriles Programm aus Westernmusik, Bluegrass und schrägen Cover-Versionen bekannter Hits. Drei der Protagonisten wirkten wie ihre Ebenbilder aus den Staaten: Bandleader Titus Waldenfels glich nicht nur optisch einem Johnny Cash, Trompeter Hans Kröll schaute wie Jeff Bridges und Michael Reiserer gab am Schlagzeug den Old Shatterhand. Tubist Florian Burgmayr erinnerte, passend zum Auftrittsort, an Piratenkapitän Jack Sparrow.

Mit einer fröhlichen Frühschoppenmusik mit dem launigen Titel „Bubbles in my Beer“ startete das Quartett seinen Auftritt und setzte mit den „Ghost Riders in the Sky“ gleich einen Klassiker darauf. Beachtlich, wie Waldenfels eine quergelegte Slideguitar spielte und dazu mit den Füßen einen E-Bass bediente.

Die Band wechselte munter mit der Instrumentierung: Der Schlagzeuger griff mal zum Akkordeon, Burgmayr tauschte ebenfalls seine Tuba mit der Tastatur. Eigenwillige Gesangsnummern barg der Auftritt, und in bayerischem Spanisch gab es eine lässige Version von Johnny Cashs „Ring of Fire“. Sehr tiefenentspannte Western-Landler, wie sie wohl bei Tanzfesten in Oklahoma zu hören sind, intonierten die Musiker ebenso wie Ricky Shanes „Mendocino“.

Hans Kröll hatte seinen großen Auftritt in einem Mariachi-Solo, das Antonio Banderas im Action-Filmklassiker wohl auch gefallen hätte – Riesenapplaus für die Komposition von Flo Burgmayr. In diesem bunten Stilmix ging es weiter: Flinke Finger von Waldenfels auf der halbakustischen Gitarre, ein rustikales Schlagzeug-Solo von Reiserer, der auch noch ein Sägenblatt zum Singen und Swingen brachte und ein echter Knaller: „Knockin‘ on heavens door“, interpretiert mit einem feinen Banjo und dezentem Tubarhythmus, ein umjubelter Höhepunkt des Abends.

Viel Tarantino war im Programm zwar nicht enthalten, und den einen oder anderen Knaller aus „Django“ oder „Pulp Fiction“ hätte man schon gerne gehört. Doch die Westernkapitäne boten auch so ein illustres Programm voller feiner Überraschungen von Bluegrass über Schlager bis hin zu Weltmusik aus dem Repertoire von Mano Chao.

So gab es gegen Ende noch Manfred Manns „Mighty Quinn“ mit einer doppelten Akkordeonbesetzung zu hören und der Abend lief harmonisch aus – eben wie ein Sonnenuntergang in der Weite der Prärie.

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