Arbeiten voller menschlicher Wärme

von Redaktion

Werke von Heinrich und Katharina Kirchner in der Galerie im alten Rathaus Prien zu sehen

Prien – In der Galerie im Alten Rathaus ist derzeit das Werk des Bildhauers Heinrich Kirchner zusammen mit den Keramiken seiner Frau Katharina Kirchner zu sehen. Während Heinrich Kirchner in Prien bereits drei Mal Einzelausstellungen gewidmet wurden, waren die Arbeiten seiner Frau – neben den Jahresausstellungen Priener Künstler – nur einmal im Rahmen der Ausstellung „Frauen im Schatten ihrer Männer“ so richtig gewürdigt. Und das ist bezeichnend für diese Künstlerin, die sich immer zu Gunsten ihres Mannes zurückgehalten hat.

Selbst nach seinem Tode im Jahre 1984 verwaltete sie vorwiegend sein Werk im ehemaligen Fischerhof in Pavolding bei Seeon. Dabei hatte sie das Kunst- und Bildhauerstudium in München abgeschlossen, bevor sie Heinrich Kirchners Assistentin und Meisterschülerin wurde. Als geborene Klampfleuthner aus der bekannten Töpferfamilie auf der Fraueninsel hatte sie das Keramikhandwerk erlernt, bevor sie sich 1953 an der Kunstakademie in München bewarb. Schon früh beschäftigten sie biblische und mythologisch geprägte Motive und immer wieder das Thema Frau.

Dies wird in der aktuellen Priener Ausstellung deutlich. Die Keramikarbeiten, ob sie nun als Skulpturen, Schalen oder Vasen daherkommen, strahlen etwas Unprätentiöses aus. Gleichwohl sie handwerklich hochkünstlerisch sind, wirken sie unverkünstelt. Sie drücken Fruchtbares, Erotisches und Naturhaftes aus.

Das Runde war für Katharina Kirchner-Klampfleuthner immer von höchster Bedeutung. Gerade im Raum 5 im ersten Stockwerk der Priener Ausstellung wird dies deutlich. Ob eine „Gans mit Weitblick“ oder eine „Sitzende Frau“, ihre Figuren haben stets etwas Rundliches. Vor allem ihre zumeist stämmigen, farblich gefassten und ausdrucksvollen Frauengestalten vermitteln temperamentvolle Lebensfreude.

In seiner Einführung zur Ausstellungseröffnung sagte der ehemalige bayerische Heimatpfleger Stefan Hirsch: „Ich habe einmal bei einem Besuch in Pavolding gehört, dass ein Besucher die Frauengestalten von Katharina Kirchner-Klampfleuthner mit den Werken von Niki de Saint-Phalle verglich.“ In der Tat strotzen diese nur so von Sinnlichkeit. Selbst die früheren Arbeiten, gleichwohl noch figürlicher, strahlen eine innere Kraft im Einklang mit der Natur aus.

Dies gilt auch für das Werk von Heinrich Kirchner. Die Priener Ausstellung zeigt frühe Arbeiten, die noch weitgehend figürlich sind, zum Beispiel die „Zirkusreiterin“ oder das sehr konkretisch empfundene „Tanzende Paar“ aus dem Jahr 1936.

Sehr viel geschmeidiger in der Auffassung konzipiert ist beispielsweise das Pferd der Skulptur „Mann mit Pferd“ aus dem Jahr 1962 und noch viel mehr der „Wagenlenker“ von 1979. Heute kennt man vor allem die abstrahierten Arbeiten, wie sie in Prien mehrfach zu sehen sind, so der „Adam“ in der Bahnhofstraße. Stefan Hirsch sagte zu diesem Transformationsprozess: „Ohne alter Adam (,Horcher Adam‘ im Raum 1 im ersten Stockwerk) kein neuer Adam.“ Oder: „Ohne Motorradfahrer von 1928 keine Mondfahrer von 1969 und ohne das Fischerboot von 1969 kein ‚Mann im Boot‘ von 1977.“

Es gibt viel zu entdecken in dieser Ausstellung. So sind im Treppenaufgang Bronzereliefs als Tafeln zu Taufbecken zu sehen. Sie weisen auf das künstlerische Handwerk Heinrich Kirchners hin, der sich den Bronzeguss im Wachsausschmelzverfahren autodidaktisch erworben hatte, obwohl er in München an der Akademie der bildenden Künste und in Paris studiert hatte. Betrachtet man das Spätwerk von Heinrich Kirchner, in dem der Gestus überwiegt, so vergisst man leicht die Ursprünge des „Bronze-Handwerkers“.

Die aktuelle Ausstellung zeigt, dass Heinrich Kirchner und seine Frau Katharina neben der künstlerischen Qualitäten die Ideen und Weltanschauungen verbunden hat. Stefan Hirsch zitierte in seiner Rede zur Ausstellungseröffnung Heinrich Kirchner: „Eine Welt ohne Liebe kann ich mir nicht vorstellen.“ Es ist das Hauptthema in seinen Skulpturen, das sich vornehmlich mit dem Menschen befasst. Noch deutlicher wird diese menschliche Wärme in den Arbeiten seiner Frau Katharina, die Gefühle noch unmittelbarer zum Ausdruck bringen.

Die Ausstellung in der Galerie im Alten Rathaus Prien ist noch bis 5. November dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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