Rosenheim – Wie in einem Jazz-Club in Harlem fühlten sich die begeisterten Zuhörer im Le Pirate, als Claus Koch and The Boperators zum jeweils 100. Geburtstag des Trompeters Dizzy Gillespie und des Pianisten Thelonious Monk aufspielten. Denn es war früher Modern Jazz, authentisch und virtuos interpretiert.
Pianist Claus Raible begleitete und improvisierte zu Monks Musik zwischen kantig-unorthodoxen Akzenten und quirlig-virtuosen Läufen. Die Rolle Gillespies übernahm der geschmeidig phrasierende Trompeter Ralf Hesse, dessen Ausdrucksspektrum von lyrischen Passagen über flexible Melodien bis zu ekstatischen Höhenflügen reichte. Bandleader Claus Koch verschmolz auf seinem Tenorsaxofon die warmen Klangfarben großer Tenoristen wie Coleman Hawkins oder Hank Mobley mit den modernen Linien eines Charlie Parker. Mit dessen Komposition „Shaw ‚Nuff“, einer schnellen Bop-Nummer, demonstrierten die Musiker ihre Virtuosität auch unter Höchstgeschwindigkeit.
Bassist Wolfgang Kriener zupfte engagiert große Intervalle und sang manchmal zu seinen melodisch einfallsreichen Linien, während Schlagzeuger Michael Keul differenzierte Akzente setzte, mit den Bläsern acht- und viertaktige Chase-Passagen trommelte und auch solistisch überzeugte.
Das Programm setzte sich aus einem vielgestaltigen Querschnitt durch die Kompositionen Gillespies und Monks zusammen: Ungewöhnliche rhythmische und harmonische Strukturen prägten etwa Monks Kompositionen „Epistrophy“ oder „Pannonica“. Und auf rhythmisch verschoben fortschreitende Einzeltöne folgte in „Evidence“ der Swingtitel „Just You – Just Me“ in der frischen Version von Coleman Hawkins.
Selbstredend, dass als Ballade Monks berühmteste Komposition „Round Midnight“ kam, solistisch mit bluesigen Passagen angereichert. Ein entspannter Moll-Blues war Gillespies „Birks Works“ mit mehrstimmigen Bläser-Riff-Teppichen und kontrapunktischen Pianoeinwürfen, während „Con Alma“ auf einem ruhigen Latin-Rhythmus basierte. Schlussnummer war Gillespies „A Night In Tunisia“, eine mehrteilige Komposition mit orientalischem Touch. Als Zugabe beendete der „Bolivar Blues“ den bemerkenswerten Abend.