Aschau – Das Horn als Seele des Orchesters bezeichnete einst der Komponist Robert Schumann. Das bestätigte wohlfein-beeindruckend das Abschlusskonzert der Meisterklasse Horn in der Sachranger Kirche St. Michael. Unter der Leitung von Johannes Hinterholzer, Professor für Horn an der Hochschule für Musik und Theater München, präsentierten acht internationale Meisterschüler klangintensive Stücke von der Renaissance bis zur Moderne. Sie wurden dabei einfühlsam und souverän am Flügel begleitet von Anna Sehwa Yoon.
Den Anfang machte Jungstudentin Charlotte Rehm aus München, die mit Franz Strauss‘ Nocturno (Op. 7) quasi die herbstliche Stimmung in warmen Klangfarben einfing. Franziska Theis, die in Innsbruck studiert, trug den zweiten Satz „Ruhig bewegt“ aus Paul Hindemiths Sonate für Horn in F vor, das mit seiner langsamen, teilweise romantisch anmutenden und dann mit großen Intervallsprüngen durchsetzten Melodieführung große Konzentration erforderte.
Rafael Benker aus Traunstein, der am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg studiert, zeigte im Allegro aus dem Hornkonzert in Es-Dur KV 417 von Wolfgang Amadeus (1756-1791) die typisch mozarteske Verspieltheit, die er trotz Nervosität souverän meisterte.
Max Dietzschold-Bojakovski, der in Wien studiert, zeigte die klanglichen Möglichkeiten auf dem Wiener F-Horn, einem Instrument, das aufgrund seiner Bauart mehr Teiltöne besitzt. Die Villanelle von Paul Dukas (1865-1935) mit ihren technischen Herausforderungen und dem fröhlich-volkstümlichen Liedcharakter war dafür perfekt geeignet. Weiter ging es dann mit Mozarts Allegro aus dem Horn-Konzert in Es-Dur KV 447, das der Basler Noe Lehmann, der in Stuttgart studiert, schwungvoll, leicht verspielt und dennoch akzentuiert vortrug.
Hanxuan Liang, der in Zürich studiert, begeisterte mit Luigi Cherubinis Sonate für Horn Nr. 2. Sauber und hochkonzentriert, den Oktavsprung am Schluss mit einem Grinsen meisternd – eine souveräne Leistung, die der chinesische Meisterschüler hier darbot.
Fiorenzo Ritorto (17) aus Piacenza, glänzte mit dem Prelude mit Thema und Variation von Giacchino Rossini. Dem jungen Italiener gelang es , die romantische und neckend-lockende Melodieführung herauszuarbeiten und trotz seines unbekümmerten Vorspiels das Rossini-typische Belcanto hervorschimmern zu lassen.
Marlene Pschorr, die in Stuttgart studiert, spielte auf ihrem Ventilhorn das Adagio und Allegro op. 70 von Robert Schumann. Ist der erste Satz melancholisch-langsam im Charakter, ist der zweite dagegen ein schnelles und sehr schweres „Bravourstück“ – bravourös, wie Marlene Pschorr hier solistisch glänzte.
Zum Abschluss gab es drei Horn-Oktette. Mit Andrea Gabrielis Cantos III ging es los, doppelchörige Renaissance – eine gewaltige Herausforderung, die die acht Hornisten noch rhythmisch und dynamisch überboten mit der Carmen-Suite von Georges Bizet. Spanische Opernklänge in einer oberbayerischen Kirche, da wollte der Beifall nicht enden. Die finale Ruhe kehrte schließlich mit dem „Sei stille dem Herrn“ aus Felix Mendelssohn-Bartholdys ein.