Konfrontation mit dem Ich

von Redaktion

Künstlerinnenvereinigung Gedok präsentiert zeitgenössische Selbstporträts in der Galerie im Ganserhaus

Wasserburg – Vor dem Selfie war das Selbstporträt. Seit der Renaissance ist es fest verankert im Genre der Kunstgeschichte. Es geht um Selbstinszenierung und Identität, der Künstler erforscht sich selbst und versucht, dem eigenen Ich näher zu kommen. Zugleich geht es um Repräsentation und Selbstvermarktung: Wofür stehe ich? Was erwartet der Betrachter von einem Bild, das ein Selbstporträt sein soll?

Auf ihrer Suche nach einer zeitgemäßen Form des Selbstporträts haben sich Künstlerinnen der Gedok München in ihrer Jahresausstellung der Herausforderung „Selbstdarstellung“ gestellt. In der Themenausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ zeigen 17 Künstlerinnen der größten interdisziplinären Künstlerinnenorganisation sowie drei Gastkünstlerinnen noch bis 22. Oktober internationale Positionen aus Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation.

Identität ist für die in München geborene Adidal Abou-Chamat ein wichtiges Thema. Zu Beginn des Rundgangs sind zwei großformatige Fotodrucke der Künstlerin zu sehen. Sie beschäftigen sich mit Rollenbildern in Bezug auf den eigenen bi-kulturellen Hintergrund.

Ebenfalls einen sehr persönlichen Zugang zum Thema findet Ergül Cengiz in ihrer Arbeit „me and me“. Das lebensgroße, zweiteilige Konzept bietet dem Betrachter unterschiedliche Blickwinkel, sich in die Künstlerin hineinzuversetzen.

Anna Kiiskinen greift in ihrem malerischen Beitrag „Auf der Brücke I und II“ den allgegenwärtigen Selfie-Wahn auf. Die Sucht, Fotos von uns selbst mit allen uns zur Verfügung stehenden Plattformen zu teilen, ist auch Thema bei Anne Pincus‘ Porträt „not Luther´s wife“. Eine Skulptur zum Thema gibt es von Ute Lechner zu sehen. „Noch nicht sichtbar“ von 2008 beschreibt die Interaktion von Mutter und Kind, das gegenseitige allmähliche Erkennen der Antlitze.

Die Ausstellung begibt sich auf die Suche nach einer zeitgemäßen Form der Selbstdarstellung. Weitläufig wird in vielen Arbeiten ein Bogen von existentiellen Fragen des Menschseins bis hin zur gewohnten Auffassung des Abbildes gespannt. Eindrucksvoll gelingt den Künstlerinnen der Gedok, die innere Beziehung und Kontinuität der vielfältigen Ideen, Stile und Inhalte in den Werken spürbar werden lassen.

Die Ausstellung in der Wasserburger Galerie im Ganserhaus läuft noch bis 22. Oktober. Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

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