Prien – „Austreten“ – im Sinne von sich verabschieden oder kurz mal die Toilettenräume aufsuchen? Da kann schon mal etwas missverstanden werden und das Chaos bricht aus. So flieht der bayerische Ministerpräsident Johann Reitmayer (Markus Böker) erst vor der Presse und dann vor der eigenen Familie. Bayerisch-charmant, tiefenentspannt und dennoch tiefgründig, mit viel Wortwitz, immer vor dem Hintergrund der schönsten Ecken Bayerns, untermalt von neuer bayerischer Volksmusik mit Blech und Schlagwerk – so präsentiert sich „Austreten“ der Schmidbauer-Film-Mannschaft aus Prien.
„Worüber hat jeder Bayer schon einmal in irgendeiner Form nachgedacht?“ Diese Frage trieb die jungen Filmemacher aus Prien und Breitbrunn um. Nach dem Erfolg von Hinterdupfing (2014) wollten sie einen neuen Film auf die Beine stellen, und da kam das Thema „die Souveränität Bayerns“ auf. Und das forderte die Geschwister Tanja (24) und Andreas (27) Schmidbauer zu einem Drehbuch heraus, das es in sich hat. Die beiden, die zusammen mit ihrem Cousin Thomas schon als Teenager die Lust am Filmen entdeckten und das Fach auch studierten (sie noch im Studium an der Filmhochschule München und er schon im 3D-Filmgeschäft tätig), taten sich auch dieses Mal wieder mit ihren Freunden Christoph Obermair, Andreas Obermeier, Maximilian Schaffner und Maurice Back zusammen – und nach knapp zwei Jahren und 30 Drehtagen feierte der Film am Montag schon Vorpremiere.
Ein Film, der wie so viele andere Filme auf der Bayern-Nostalgie mitschwimmt, der aber doch auch tiefengründigen Humor bietet, etwa wenn sich die Mannschaft um den abgetauchten Ministerpräsidenten schon Gedanken um eine neue Bleibe macht: Herrenchiemsee – „nein, das geht ja nicht, da ist das Treppenhaus ja noch nicht fertig“ oder wenn bayerische Bauern im Film Schilder hochhalten mit der Aufschrift „Make Bayern great again“.
Auch beim Casting muss man den Filmemachern ein glückliches Händchen bescheinigen, sehen sich doch die Filmbrüder Eisbert Müllner (Eisi Gulp) und Hubert Müllner („Hubbi Schlemer) im Profil recht ähnlich. Ähnlichkeiten der Darsteller im Film mit lebenden Personen sind vermutlich nicht rein zufällig: Pressesprecher Dr. Andreas Tauber (gespielt von Tom Kreß) trägt eine Brille, die an CSU-Generalsekretär Andreas Scheurer erinnert, und der Konkurrent des Ministerpräsidenten, Alfred Anner (Roland Hefter), sieht aus wie ein Spiegelbild des Grünen-Politikers Anton Hofreiter.
Überhaupt sind die Filmemacher professionell geworden, konnten sie doch auch Profis für Haupt- und Nebenrollen gewinnen. Grandios, wie Peter Rappenglück den grantigen Schwager mimt, Saskia Vester nimmt man die Rolle der Chefredakteurin Linda Mikulski sofort ab, unvergleichlich auch Veronika Quast als österreichische Kanzlerin, die mit ihrem Wunsch nach einer Alpenrepublik abgewiesen wird.
Untermalt wird der Film von moderner bayerischer Volksmusik. Dem Priener Musiker Max Joseph Resch gelingt es trefflich, die jeweiligen Pointen zu garnieren und die Reise quer durch Bayern zu begleiten. Ein Film, bei dem es um Politik, aber auch um Familie, um Freundschaft und um Glück geht, um die Farben Weiß und Blau und die bayerische Seele – seit Donnerstag neu im Citydome Rosenheim, in Mikes Kino in Prien und im Kino-Utopia Wasserburg.