Ein Schatz der Reformation

von Redaktion

Geistliche Abendmusik mit Luther-Chorälen in der Erlöserkirche Rosenheim

Rosenheim – Martin Luthers bekanntes Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde wegen seines kriegerischen Tons während des Dritten Reiches als Kriegslied missbraucht. Gleichwohl gehört der 1529 geschriebene Choral, für den Luther wohl auch die Melodie komponiert hat, zu den Schätzen der Reformation. Unter dem Titel „Ein feste Burg – Luther-Choräle im Wandel der Zeit“ spielte die Rosenheimer Organistin Christiane Bettger Bearbeitungen des Lutherliedes, darunter Werke von Dietrich Buxtehude, Georg Böhm, Mendelssohn und dem zeitgenössischen Komponisten Denis Bédard. Die Andacht zum Reformationsjahr in der Erlöserkirche im Rahmen der Reihe „Geistliche Abendmusik“ sprach Pfarrerin Rosemarie Rother.

Für Dekanatskantor Johannes Eppelein ist „Ein feste Burg“ mit seiner rustikalen und brachialen Sprache vielleicht der prägnanteste Lutherchoral. Luther habe aber wohl nur ein Psalmlied in einem anderen Sprachduktus schreiben wollen, denn in Psalm 46 sei Gott für den Reformator zu wenig kraftvoll.

Mit feierlichem Ernst, klar und klangmächtig spielte Christiane Bettger das Präludium in g-Moll und die Choralbearbeitung über „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Buxtehude. Luthers Lied sei, so Pfarrerin Rosemarie Rother, melodisch ungewohnt und schwer zu singen, der fremdartige Text erschließe sich nicht leicht. Als Luther das Lied schrieb, litt er unter großen persönlichen Nöten. Seine Frau hatte eine lebensbedrohliche Niederkunft. Zudem musste der Reformator zugleich Widerstand leisten gegen Anhänger des Papstes und radikale Reformer. Das Vertrauen, die Zuversicht auf Gott gegen alle Ängste und Zweifel komme in Luthers „Christushymne“ zum Ausdruck, so die Pfarrerin.

Dietrich Buxtehudes Passacaglia in d-Moll und Mendelssohns Orgelsonate Nr. 6 in d-Moll, die auf dem Luther-Choral „Vater unser im Himmelreich“ basiert, spielte die Organistin mit virtuoser Leidenschaft. Ergreifend waren die ernsten, dunklen Passagen, aber auch die freundliche musikalische Umrahmung des Hauptthemas und der furiose Schluss.

Mal melodisch, dann auch wieder verfremdend klang am Ende die ins Rauschhafte mündende Fantasie über „Eine feste Burg ist unser Gott“ des kanadischen Komponisten Denis Bédard. Für ihre klangschöne Darbietung spendeten die nicht gerade zahlreich anwesenden Zuhörer der Organistin lang anhaltenden Beifall.

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