von Redaktion

Heute wird der Apfelmarkt in Bad Feilnbach eröffnet. Zu Recht wird Bad Feilnbach aufgrund seiner klimatischen und geografischen Lage als „Bayerisches Meran“ oder „Apfeldorf“ bezeichnet, wobei hier die Zwetschgen, auf feimbeggarisch „Zweeschn“, gegenüber den Äpfeln, „Eepfi“, etwas zu kurz kommen.

Mindestens ein Ort in Bayern trägt den Apfel im Namen: Apfeldorf in der Gemeinde Landsberg am Lech. Der Ortsnamenforscher Dr. Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein liefert in seinem „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“ folgende Erklärung: Vor dem Grundwort „Dorf“ stehe das „Bestimmungswort „apfel“ (Apfel); man wird allerdings eine ursprüngliche Namensform „Apfelboumdorf“ erschließen müssen, sodass sich die Erklärung „Dorf mit Apfelbäumen“ ergibt“. Ganz so, wie für Feilnbach als Dorf mit vielen Apfelbäumen! Auffällig ist aber das anscheinende Fehlen weiterer Apfel-Orte in Bayern.

Jedoch sind wir in unserer Region fündig geworden: Ober- und Unterapfelkam sowie der Landgasthof Gut Apfelkam in der Gemeinde Rohrdorf! Hans Meixner verdanken wir in seinem Werk „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ die Beschreibung der Namensentwicklung von Apfelkam: „1190 Epelcheim, 12 Ephelkaheim, (…), Oepfelkaim (…). Zu althochdeutsch apful, Plural apfili, epfili. Apfel, ursprünglich Holzapfel“.

Diese Erklärung weist auf ein reiches Apfelvorkommen hin: In „Epelcheim“, das wir in „Epel-c-heim“ auftrennen, erscheint, anders als bei Apfeldorf, sogar die Mehrzahlform! Bei „Ephelkaheim“ zeigt die neue Schreibung „ph“ übrigens die Veränderung der Aussprache zu /pf/ an; der Laut /a/ sei, so Meixner, nur „Schreiberzusatz“.

Gelegentlich ist die Herleitung des „Apfel“-Wortes vom Apfel in Orts-, Gewässer- und Flurnamen bestritten worden; bei Apeldorn, Apfelbach, Apfelstädt, Appel sei ein indogermanisches Wort „ap“ = Wasser, Sumpf“ anzusetzen. Wir schließen uns aber zumindest bei Apfeldorf und Apfelkam der „Apfel-Theorie“ an!

Aber woher kommt der Apfel selbst – sprachlich und kulturell? Der sogenannte Holzapfel existierte als Frucht wie auch als sprachlicher Begriff in unseren Breiten schon lange vor der Einführung des „Kulturapfels“, der aus Asien und Südeuropa importiert wurde. Der Holzapfel ist viel kleiner als unser heutiger veredelter Apfel und trägt, anders als die meisten anderen Obstsorten, keinen lateinschen Namen. Außerdem ist „Apfel“ nur bei den Germanen, Kelten und Slawen („Jabloko“) erhalten; lateinisch heißt er „malum“ (langes a!), griechisch „melon“. Der Sprachwissenschaftler Professor Theo Vennemann hat zum Apfelwort aber eine ebenso originelle wie schlüssige Erklärung: Im Hamito-Semitischen (Arabisch, Hebräisch) gibt es den rekonstruierten Begriff „abol“. Dieser bezeichne die männlichen Genitalien, wobei hier eine Übertragung von der pflanzlichen in die Körperdomäne stattgefunden habe. Da Kelten und Germanen mit den semitisch sprechenden seefahrenden Phöniziern gute Kontakte pflegten, ist die sprachliche Übernahme (Entlehnung) von „abol“ für den kleinen Holzapfel durchaus wahrscheinlich.

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